Blog: Field Recording in Ecuador – Woche 4

Blog: Field Recording in Ecuador – Woche 4
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Von Mitte Oktober bis Ende November bin ich in Ecuador. Mit Field Recordern ausgerüstet ist es mein Ziel, die Atmosphäre des südamerikanischen Landes einzufangen und zu konservieren. In dieser Blog-Serie teile ich in wöchentlichen Berichten meine Erlebnisse meines Field-Recording-Abenteuers in Ecuador.

Meine Planung für den Ausflug in den Amazonas Regenwald ist nun fast abgeschlossen und ich konnte auch eine Studio-Session mit dem lieben César (siehe Bericht Woche 1) buchen, um traditionelle ecuadorianische Instrumente und Musik aufzunehmen – das dürfte auch nochmal richtig cool werden!

Nachtaufnahme mit Zoom H5studio Rekorder und Canon Digitalkamera nahe Yahuarcocha, Ecuador

Wie gen Ende meines letzten Berichts erwähnt, wollte ich auch mal noch Nachtaufnahmen machen. Nachdem ich vergangene Woche einmal mehr aufgrund des ewigen Hundegebells nicht schlafen konnte, bin ich um halb 3 aufgestanden und habe den H5studio draußen installiert. Und siehe da, es wurde still 😀 Naja, nicht ganz, aber für hier verhältnismäßig.

So ist es mir tatsächlich gelungen, auch mal das Gezirpe der Grillen einzufangen. Ich werde aber auf jeden Fall noch einen zweiten Versuch starten. Wenn dann Gebell und andere Geräusche auf der Aufnahme sind, würde es mich auch nicht stören. Im Gegenteil, es bildet die nachtnächtliche Situation hier ab.

Wasser-reiches Wochenende

Am Samstag, 8. November, gings zuerst auf den Indio-Markt. Dort bieten die indigenen Völker der Gegend ihre Waren zum Verkauf an, beispielsweise Kleider aus zumindest teilweise Alpaka-Wolle, traditionelle Instrumente wie Panflöten und Shaker sowie aus Holz und Steinen/Mineralien gebastelte Dekoartikel. Das Ganze ist natürlich längst zu einem Touristenspektakel geworden, sodass nicht nur Busladungen an Besuchern rangekarrt werden, sondern auch viel Ramsch angeboten wird. Trotzdem wars cool zu sehen.

Anschließend ging es dann zum Cascada de Peguche. Der Wasserfall (Cascada) hat für die Einheimischen eine heilige Bedeutung und heilende beziehungsweise reinigende Kräfte. Dementsprechend gibt es auch ein paar Becken zum Schwimmen und Waten. Insgesamt ein sehr schöner Park, in dem man durch eine kurze Wanderung durch ein Wäldchen direkt zum Wasserfall kommt. Man kann sogar auf zwei Aussichtsplattformen aufsteigen. Bei einem der Becken weiter unten hatte ich dann Glück und konnte einen kurzen Passus abfangen, in dem keine anderen Besuchenden in der Nähe waren. Ihr könnt euch denken, was passiert ist: Der H5studio wurde angeworfen. An sich ist das Rauschen eines Bachs und Wasserfall vielleicht nichts besonderes, aber im Hintergrund hört man aber auch das Wasser der „Dusche“ plätschern. Deswegen fand ich das ganz cool.

So schön der Park und der Wasserfall auch sind, zieht sich leider auch hier ein Eindruck meiner bisherigen Reiseerfahrungen durch: Lärm. Während die eine Seite des Wasserfalls und des daraus resultierenden Bächleins ein staatlich geschütztes Gebiet ist, ist die gegenüberliegende Seite in Privatbesitzt. Dort haben die Besitzenden natürlich eine gute Gelegenheit wahrgenommen, um abzukassieren. Prinzipiell finde ich es nicht störend oder schlimm, dass es dort ein paar Restaurants gibt. Im Gegenteil, ein Tässchen Kaffee bei der Aussicht ist sicherlich herrlich. Allerdings gab es ein oder zwei Spezialisten, die auf Anschlag Musik laufen ließen. Selbsterklärend, dass dadurch die komplette Idylle zerstört wurde. Sehr schade!

>>> Blog: Field Recording in Ecuador – Woche 2 <<<

>>> Blog: Field Recording in Ecuador – Woche 3 <<<

Tags darauf ging es dann zur Laguna de Cuicocha bei Cotacachi. Dieser Kratersee hat einen Durchmesser von etwa drei Kilometern und befindet sich am Fuße des Cotacachi Vulkans. Eine atemberaubende Gegend! Es gibt einen Rundweg, der über das umliegende Gebirge führt und etwa 11,5 km lang ist. Dieser habe ich mich auch angenommen. Die Wanderung führt ein paar Anstiege hinauf, ist insgesamt aber verhältnismäßig „harmlos“. Wert ist sie es allemal, denn man hat nicht nur einen wunderbaren Ausblick auf die Lagune und die Umgebung, sondern durchquert auch verschiedene Vegetationszonen. Von recht kargen Hängen über bewaldete Gebiete ist alles dabei. Normalerweise dauert die Tour etwa vier Stunden. Ich habe um fast sechs gebraucht. Denn: auf zirka der Hälfte des Rundwegs kommt man an einem ausgetrockneten Flussbett vorbei. Die Gelegenheit, sich etwas ins Abseits zu schlagen und Aufnahmen zu machen! Gesagt getan:

Leider sind, bis auf Fliegensummen und Wind, kaum Naturgeräusche zu hören. Aufgrund der Strecke konnte ich auch nicht länger als eine Stunde aufnehmen, denn der Park schließt um 17 Uhr. Und ziehen die Wolken in dieser Höhe erstmal auf, wird es sehr schnell nebelig. Nun ja, ein Versuch war es wert und ich habe sicherlich eine Ecke des Gebiets gesehen, in die nur die wenigsten vordringen.

Vogelgesänge? Klar, in der Stadt!

Am Montag war ich nochmal in Ibarra. Neben ein paar Besorgungen und einer Stadttour am späten Nachmittag wollte ich die Gelegenheit nochmal nutzen, um den Puls der Stadt einzufangen. Dazu habe ich mich in den Parks Agustin und Pedro Moncayo auf eine Bank gesetzt und mein Aufnahmegerät möglichst unauffällig platziert. Und während ich so da saß und dem Treiben der Stadt zusah, kam ich nicht umher festzustellen, welch präsente Vogelgesänge praktisch allgegenwärtig waren. Wirklich toll! Und irgendwie dachte ich mir dann: „Tja, wenn du Vögel aufnehmen willst, musst du eben das Stadtzentrum.“

Natürlich ist das übertrieben. Auch hier bei meinen Freunden gibt es im Garten eine bunte Vogelvielfalt. Dennoch konnte ich mir ein Schmunzeln nicht verkneifen. Wahrscheinlich war es das fehlende Hundegebell, dass diesen Gedanke und inneren Frieden in mir auslöste.

Instagram Reel

Das Ende eines Abenteuers

In den verbleibenden Wochen habe ich noch im Amazonas Regenwald in der Nähe von Puerto Misahuallí gemacht. Das gestaltete sich allerdings als sehr herausfordernd. Einerseits, wie der Name bereits verrät, regnete es. Abgesehen von einer trockenen Aufnahmestelle hörte man während dieser Zeit auch keine Tiere. Andererseits ist es beinahe unmöglich, sich dort ohne Guide zu bewegen. Nichtsdestotrotz konnte ich meine Mikros etwa 30 Meter von meiner Unterkunft entfernt aufstellen und auch ein paar tolle Vogelgesänge einfangen. Aufgrund der Nähe zur Lodge aber leider auch immer wieder Störgeräusche auf den Aufnahmen.

Drei Tage vor meiner Abreise hatte ich noch die Gelegenheit, bei César im Semifusa Estudio traditionelle ecuadorianische Instrumente mit einem lokalen Musiker aufzunehmen – eine spannende Session, die mir völlig fremde Instrumente vorstellte.

Und damit bin ich am Ende meines Abenteuers angelangt. Es war eine sehr eindrucksvolle und interessante Zeit, in der ich viel Neues lernen und erfahren sowie wunderbare Menschen kennenlernen durfte. Ich hoffe, bald wieder die Möglichkeit eines solchen Field-Recording-Trips zu haben und die kulturellen Eindrücke und Naturwunder dieser Welt hörbar konservieren zu können.

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