Die 5 besten gratis Kontakt-Librarys: Drums

In dieser Serie stelle ich die fünf besten gratis Kontakt-Librarys für jeweils eine Instrumentengruppe vor. Alle vorgestellten Instrumente benötigen die Vollversion von Native Instruments Kontakt. In der ersten Folge geht es um Drums.

Es gibt wohl für kaum eine andere Software so viele Add-ons wie für Native Instruments Kontakt. Egal ob Keys, Schlagzeug, Riser, Synthesizer oder Atmosphären, die Auswahl ist beinahe unendlich.

Neben den unzähligen kostenpflichtigen Instrumenten gibt es auch ein paar Schätze unter den kostenlosen. Nachfolgend stelle ich die fünf besten gratis Kontakt-Drum-Librarys vor.

Strezov Sampling Thunder X3M Taiko Freebie

Strezov Sampling Thunder X3M Taiko Freebie

Pure Spannung und Energie erzeugen die Trommeln von Strezov Sampling Thunder X3M Taiko Freebie. Wie der Name bereits andeutet, bietet diese Kontakt-Library cineastische Drums.

Die einzelnen Instrumente sind auf bis zu sechs Zonen verteilt, die jeweils in Pitch, Attack und Stustain eingestellt werden können. Darüber hinaus können die fünf verschiedenen Klangfarben Close, Decca, Hall, Bass und Comp individuell hinzugefahren werden.

Weitere Infos: Strezov Sampling

Pure Magnetik Snare Designer

Pure Magnetik Snare Designer

Mit dem Snare Designer von Pure Magnetik kannst du deine eigene Snaredrum bauen. Als Ausgangspunkt dienen eine Ludwig Acrolite, Mapex Birch und Pork Pie Little Squealer.

Attack und Sustain jeder Snare können angepasst werden. Das eigentliche Sounddesigning geschieht über die sechs Mikrofonpositionen Top, Bottom, Overhead, Room, Far und Trash. Jedes Mikrofon kann individuell in der Lautstärke eingestellt werden.

Weitere Infos: Pure Magnetik

Wave Alchemy DRM Drums

Wave Alchemy DRM Drums

Wave Alchemy DRM Drums ist eine Kollektion von 384 Samples. Diese entstammen einer Vermona DRM Drum Machine, die mittels eines API 512c Preamps aufgenommen wurde – inklusiver acht Round-Robin-Variationen und vier Velocity-Layern pro Schlag.

>>> Audio-Kompressoren: Was sie sind, welche es gibt & was sie tun <<<

Das virtuelle Instrument bietet 12 Stimmen, die wie folgt vergeben sind:

  • 1 Kickdrum
  • 3 Toms
  • 2 Snaredrums
  • 2 Hi-Hats
  • 1 Claves
  • 1 Cowbell
  • 1 Cymbal
  • 1 Clap

Alle Samples wurden mit 24 Bit/44,1 kHz aufgenommen und liegen als WAV-Dateien bei.

Weitere Infos: Wave Alchemy

Steven Slate Drums SSD 5.5 Free

Steven Slate Drums SSD 5.5 Free

Die gratis Version von Steven Slate Drums 5.5 beinhaltet das Deluxe 2 Drum-Kit. Dazu gibt es eine bearbeitete Snare und die drei Kit-Presets Deluxe 2 Free, Hugo und Dry n‘ Tight.

Weitere Infos: Steven Slate Drums

Sample Logic Taste The Fury

Sample Logic Taste The Fury

Taste The Fury ist die abgespeckte Version von Sample Logic Drum Fury. Ausgekoppelt wurde ein Taiko Drum Ensemble. Via Attack, Release, Pitch und Velocity wird die Basis eingestellt. Für den weiteren Feinschliff stehen Slider für Energizer und Polisher bereit.

Effektseitig sind ein Equalizer, Kompressor, Delay und Reverb an Bord.

Weitere Infos: Sample Logic

Ba-Dum-Tsss

Damit wären wir am Ende der fünf besten Drum-Librarys für Kontakt angekommen. Leider wurden einige sehr gute, kostenlose Librarys wie Sennheiser DrumMic’a eingestellt. Dennoch kannst Du mit den oben genannten Instrumenten deiner Produktion einen hochwertigen, gut klingenden Rhythmus verleihen.

Viel Spaß beim Ausprobieren!

Fotos: Isaiah Colson, Hersteller

ASMR-Video machen: So gehts

ASMR-Videos gewinnen seit etwa vier Jahren an Beliebtheit. Wie Du selbst ein ASMR-Video machst und welches Equipment benötigt wird, erfährst Du in diesem Tutorial.

Vor etwa zwei Jahren bin ich durch Zufall auf ASMR-Videos gestoßen (Danke, Youtube-Algroithmus…). Anfangs war ich eher kritisch – und zugegeben etwas neidisch. Irgendwie nervte es mich zu sehen, wie Menschen in ein Mikrofon schmatzen und an verschiedenen Sachen kratzen, und damit beachtliche Aufrufzahlen bekamen. Das ist vermutlich für jeden Musikschaffenden schwer zu begreifen.

Nachdem der anfängliche Frust verflogen war, gab ich ASMR eine zweite Chance. Ich ließ mich darauf ein und achtete darauf, was passiert und ausgelöst wird. Und ich war durchaus überrascht…

Die meist kratzigen und perkussiven Geräusche in ASMR-Videos lösen beim Zuhörer ein wohltuendes, entspannendes Kopfkribbeln aus. Außerdem soll ASMR auch beim Einschlafen helfen. Wobei natürlich die Wirksamkeit der verschiedenen Geräusche von Mensch zu Mensch variiert.

Selbst ein ASMR-Video zu machen, ist gar nicht so schwer. Bevor wir uns die einzelnen Produktionsschritte ansehen, gibt es noch eine kurze Einführung zum Thema. Denn hinter ASMR steckt weit mehr, als der erste Blick vermuten lässt.

Was ist ASMR?

ASMR steht für Autonomous Sensory Meridian Response. Zu deutsch: Autonome Körperreaktion auf sensorische Reize. Diese etwas schwer verständlichen Worte bezeichnen stark vereinfacht gesagt einen relativ statischen Sound, der über längere Zeit beruhigend wirkt.

Das Online-Magazin t3n hat kürzlich sogar einen Artikel veröffentlicht, in dem es um „Ersteller“ von sogenannten White-Noise-Shows geht. Den Artikel kannst Du hier lesen: t3n White-Noise-Shows.

Doch zurück zu ASMR: Laut welt.de gilt der Künstler Bob Ross als Urvater des Trends. In seiner Fernsehserie „The Joy of Painting“ versuchte er, den Spaß am Malen zu vermitteln. Das raue, kratzige Geräusch des Pinsels auf der Leinwand sowie seine leise gesprochenen Kommentare haben wohl den Grundstein für die heutigen ASMR-Videos gelegt.

ASMR ist im wahrsten Sinne des Wortes eine Wissenschaft für sich. Diese kurze Beschreibung umfasst längst nicht die ganze Komplexität des Themas, reicht aber für das Vorhaben eines eigenen ASMR-Videos oder -Podcasts erstmal aus. Wenn Du mehr darüber erfahren möchtest, kannst Du die ASMR University online besuchen.

Es gibt zwei ASMR-Begrifflichkeiten, die Du kennen solltest:

  • Tingles: Das Kopfkribbeln
  • Triggers: Geräusche, die Tingles auslösen

ASMR-Video: Verschiedene Trigger

ASMR-Video machen: Das brauchst Du dafür

Auf den visuellen Aspekt werde ich in diesem Artikel nicht eingehen. Bei ASMR kommt es darauf an, was man hört. Ein Video ist ein netter Zusatz. Wer sich ein paar Clips auf Youtube ansieht, wird feststellen, dass auch die erfolgreichsten ASMR-Ersteller keine wilde Show bieten.

Für die Produktion einer ASMR werden lediglich ein Mikrofon, ein Kopfhörer und eine Aufnahmesoftware benötigt. Du kannst auch zwei Mikrofone verwenden, denn eine gute Kanaltrennung von links und rechts ist von Vorteil. Aus diesem Grund sollte auch mit Kopfhörern sowohl abgehört als auch konsumiert werden.

Mikrofone

Mikrofonseitig bietet sich ein Großmembran-Kondensatormikrofon an. Es darf durchaus empfindlich reagieren, um auch leise Geräusche gut einfangen zu können. Ob ein klassisches Mikrofon mit XLR-Anschluss oder ein USB-Mikrofon verwendet wird, spielt keine Rolle. Letzteres erspart allerdings den Einsatz eines Audio-Interfaces.

Wer mehr Budget zur Verfügung hat, kann auch zu einem binauralen beziehungsweise 3D-Mikrofon greifen. Kürzlich habe ich sogar ein ASMR-Video gesehen, bei dem ein Kunstkopf zum Einsatz kam.

Hier einige Vorschläge für Mikrofone:

  1. Behringer C-1
  2. T.bone SC 450 USB
  3. SE Electronics X1A
  4. Audio-Technica AT2020
  5. Blue Microphone Yeti
  6. Rode NT1-A
  7. AKG C214
  8. Shure SM7B
  9. 3Dio Free Space
  1. 29,90 €
  2. 79 €
  3. 95 €
  4. 95 €
  5. 139,99 €
  6. 159 € / Matched Pair: 444 €
  7. 325 €
  8. 359 €
  9. 399 USD

Kopfhörer

Wie auch bei Musikaufnahmen gilt es bei ASMR, keine Übersprechungen vom Kopfhörer auf dem Mikrofon zu haben. Daher bietet sich für die Aufnahme ein geschlossenes Modell an.

Da es sich um Geräuschaufnahmen handelt, die keinerlei klanglicher Beurteilung gegenüber stehen, braucht es keinen teuren Studiokopfhörer. Bei Modellen wie dem AKG K-72, Superlux HD-660 Pro oder Sennheiser HD 300 liegt der Straßenpreis bei circa 40 Euro. Doch die meisten haben sicherlich ohnehin Kopfhörer zuhause, die für ASMR-Videos völlig ausreichen.

Reden? Oder nicht reden?

Im Vergleich zu „herkömmlichen“ Videos muss in ASMR nicht unbedingt geredet beziehungsweise kommentiert werden. Wer möchte, kann aber natürlich einen Intro oder ähnliches machen. Du solltest lediglich darauf achten, zu flüstern. Sprache in Zimmerlautstärke würden die meisten Hörer wohl als störend empfinden.

Aber auch hier macht es ASMR einem einfach: Eine Sprachsäuberung ist nicht notwendig. Schmatzer und Spucke, die normalerweise für Musik und Postproduktion von Aufnahmen entfernt werden, gehören hier dazu. Etwas Kompression, EQ und eventuell De-Essing kann aber sicher nicht schaden.

ASMR-Video machen: Recording

ASMR-Videos machen: Recording
Lass deiner Kreativität bei der ASMR-Aufnahme freien Lauf.

Bei der Aufnahme von ASMR-Videos sind deiner Fantasie keine Grenzen gesetzt. Du kannst leicht auf den Mikrofonkorb klopfen, mit einem Pinsel darüber streichen, an einer Plastikschüssel kratzen oder ein Blatt mit einer Schere durchschneiden. Die Geräusche sollten möglichst sanft klingen, um den Zuhörer zu beruhigen und nicht zu erschrecken. Langsame Bewegungen sind quasi der Schlüssel zum ASMR-Erfolg.

Bei der Aufnahme sollte man stehts ein Auge auf den Pegel haben. Eine zu schnelle Bewegung kann ebenso schnell die Aufnahme übersteuern. Für die ersten Recordings kann es daher nicht schaden, sicherheitshalber einen Limiter einzusetzen. Mit einem Ceiling von -2 dB gibt es noch etwas Spielraum für schnelle Peaks, die dem Limiter vielleicht entwischen.

Audiobearbeitung

Wenn Du beim Abhören deiner Aufnahme harte Geräusche bemerkst, kannst Du sie mit Fades etwas „aufweichen“. Mit einem Lowcut-Filter bei circa 100 Hz schneidest Du störende tiefe Frequenzen weg. Zischende Höhen kannst du im Bereich von 5 bis 7 kHz etwas absenken.

ASMR-Video machen: Editing
Bearbeite deine Aufnahme etwas nach.

Ein leichtes Anheben schmaler Frequenzbereiche kann einzelnen Triggern eventuell mehr Intensität verleihen. Allerdings ist das vom Audiomaterial abhängig.

>>> Audio-Kompressoren: Was sie sind, welche es gibt & was sie tun <<<

Vorsichtiges Equalizing und ein bisschen Kompression reichen in der Regel aus – reines Mastering, wenn man so will. Achte darauf, deine Aufnahme nicht zu stark zu komprimieren, denn ASMR lebt auch von der Dynamik.

Effektseitig brauchst Du eventuell noch einen Reverb. Eine leichte Dosis kann den Klang natürlicher machen. Gerade wenn deine Aufnahme mono ist und Du Trigger gepannt hast, kann ein leichter Raumanteil auf der Gegenseite angenehm sein.

>>> Baby Audio Crystalline Test: Traumhafte Räume <<<

Abschluss

Damit sind wir am Ende unserer Produktionskette eines ASMR-Videos angekommen. Die Thematik wird sicherlich bei dem ein oder anderen Audioschaffenden auf Ablehnung treffen. Denn in gewisser Weise stellt es die „traditionellen Audioregeln“ auf den Kopf. Doch eigentlich ist ASMR spannend. Man muss ja nicht zwingend ASMR-Videos machen. Auch in der Musikproduktion kann es interessant sein, mit den Geräuschen zu experimentieren… einige eignen sich sicherlich als Percussions.

Doch was wäre, wenn man Trigger gezielt in Musiken einsetzen könnte? Stell dir vor, Du hörst deinen Lieblingssong. Der Vibe und die Emotionalität reissen dich voll mit. Und immer wenn der Chorus einsetzt, spürst Du ein angenehmes Kribbeln im Kopf. Wäre das nicht cool? – Musik wäre auf einer ganz neuen Ebene spürbar!

Das ist natürlich reine Fantasie meinerseits. Aber wer weiß, welches Potenzial ASMR bietet.

Titelbild: Karolina Grabowska / Fotos: Karolina Grabowska, Techivation, Hersteller

Audio-Kompressoren: Was sie sind, welche es gibt & was sie tun

Es ist unerlässlich, Kompression für ein ausgewogenes Audiosignal anzuwenden, egal ob für Musik, Filmton oder Sprache. Doch ein Audio-Kompressor muss nicht strikt nur zur Dynamikkontrolle eingesetzt werden, sondern kann auch den Klang färben oder einen Effekt kreieren.

Welche Kompressoren es gibt, welche Parameter sie bieten und wie sie eingesetzt werden, habe ich in diesem Artikel zusammengefasst.

Kompressor auf einem Mischpult

Audio-Kompressor: Parameter

Bevor wir auf die verschiedenen Arten von Audio-Kompressoren eingehen, werfen wir einen Blick auf deren Einstellungsmöglichkeiten. Es ist wichtig zu verstehen, was die Parameter bewirken, denn deren Verhalten variiert von einer Kompressor-Art zur anderen.

  • Threshold: Schwellenwert. Dieser definiert, ab welchem Dezibelwert der Kompressor reagiert. Signalanteile unterhalb dieser Schwelle passieren ohne Bearbeitung.
  • Attack: Einschwingzeit. Die Attack beschreibt die Zeit die der Kompressor braucht, um zu arbeiten. Eine Attack-Zeit von beispielsweise 20 ms bedeutet, dass der Kompressor erst 20 ms nach Signaleingang einsetzt.
  • Release: Ausschwingzeit. Die Release gibt an, wie lange es dauert, bis der Kompressor wieder aufhört zu arbeiten.
  • Ratio: Kompressionsverhältnis. Mit der Ratio wird die Stärke der Kompression eingestellt. Typischerweise im „zu-eins“-Format: 2:1, 4:1, … Bei einer Ratio von 10:1 oder höher spricht man von „Limiting„.
  • Knee: Kompressionskurve. Das Knee kann man sich ähnlich wie einen Wet/Dry-Regler vorstellen. Es bestimmt den Übergang in die Kompression. Ein soft knee sorgt für einen sanften Übergang. Ein hard knee für eine schnell einsetzende, meist hart klingende Kompression.

Einige Audio-Kompressoren, vor allem im Plug-in-Bereich, bieten zusätzliche Parameter. Die geläufigsten sind wohl Drehregler für In- und Output. Aber auch Filter, Saturation-Regler oder andere Einstellungen für die Klangfärbung sind manchmal vorhanden. Ein gutes Beispiel dafür ist der Black Rooster Audio VLA-2A Mark II.

Black Rooster Audio KH-Comp1
Der KH-Comp1 von Black Rooster Audio geht über die traditionellen Einstellungsmöglichkeiten hinaus.

Welche Arten von Audio-Kompressoren gibt es?

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen vier verschiedenen Arten von Audio-Kompressoren: VCA, FET, Opto und Tube. Sehen wir uns das mal genauer an…

VCA-Kompressoren

VCA steht für „Voltage Controlled Amplifier“. Dieser Kompressor wird als durch Spannung gesteuert. Die Verstärkung (Amplification) wird von der Steuerspannung vorgegeben und ist daher abhängig vom Eingangssignal. VCA-Kompressoren erlauben meist das Einstellen von Attack- und Release-Zeiten, die auch durchaus sehr kurz gewählt werden können. Als Beispiel sei der Red-3-Kompressor von Focusrite genannt, dessen Release-Zeit auf extrem kurze 0,1 ms eingestellt werden kann.

Weitere bekannte Vertreter von VCAs sind der DBX 160, Vertigo Sound VSC-3, Empirical Labs Distressor sowie der SSL G-Series Bus Comp.

Vertigo Sound VSC-3
Der Vertigo Sound VSC-3.

VCA-Kompressor: Anwendung

Durch ihre hohe Flexibilität und Präzision eignen sich VCA-Kompressoren für jegliches Audiomaterial. Sowohl perkussive Klänge und Transienten als auch die Dynamik im Allgemeinen lassen sich gut mit dieser Art Kompressor kontrollieren. Zudem gibt es eine große Bandbreite an VCA-Kompressoren auf dem Markt, die nicht alle neutral klingen, sondern durchaus auch klangfärbende Eigenschaften mit sich bringen.

FET-Kompressoren

FET steht für „Feldeffekttransistor“. FET-Kompressoren könnte man als Weiterentwicklung von Röhrenkompressoren ansehen: Sie färben den Klang bei der Bearbeitung, agieren allerdings nicht so träge wie Röhrenkompressoren. Im Gegenteil, es sind sogar extrem kurze Attack-Zeiten möglich. FETs reagieren übrigens auf das gesamte elektrische Eingangssignal und nicht, wie VCA-Kompressoren, nur auf Spannung.

Zu den bekanntesten FET-Kompressoren gehören der Urei/Universal Audio 1176, Lindell 7X-500, Drawmer 1973 und der Softube FET-Comp.

Drawmer 1973
Vorder- und Rückseite eines absoluten Studio-Klassikers: Drawmer 1973.

FET-Kompressor: Anwendung

FET-Kompressoren sind für eine starke, färbende Kompression bekannt, die oft auch als aggressiv beschrieben wird. Diese Eigenschaften wiederum werden mit „Punch“ in Verbindung gebracht. Daher eignen sich FETs auf Signalen, die sich im Mix durchsetzen sollen. Ein klassisches Beispiel hierfür ist die Snaredrum. Aber auch auf Bässen oder als Parallel-Kompressor kann ein FET gute Dienste leisten.

„Je heller das Licht, desto höher der Wiederstand.“

Opto-Kompressoren

Opto-Kompressoren verfolgen einen völlig anderen Ansatz, als die beiden oben genannten Kompressor-Arten. Im Inneren von optischen Kompressoren steuert die Stärke des anliegenden Signals die Helligkeit einer Glühbirne oder eines anderen Leuchtmittels. Die Lichtquelle wiederum beeinflusst einen lichtempfindlichen Wiederstand. Je heller das Licht, desto höher der Wiederstand. Je höher der Wiederstand, desto stärker die Kompression.

Zu den nennenswerten Vertretern von Opto-Kompressoren gehören unter anderem der Teletronix LA-2A, Tone Empire Opto Red, Brainworx Millennia und der Tube-Tech CL 2A.

Teletronix LA-2A
Der Teletronix LA-2A.

Opto-Kompressor: Anwendung

Opto-Kompressoren wird ein weicher, neutraler Klang nachgesagt, der auch bei höheren Pegeln verzerrungsarm bleibt. Daher eignen sich Optos beispielsweise für den Einsatz auf Vocals und Bässen.

Tube-Kompressoren

Tube- beziehungsweise Röhrenkompressoren wurden ursprünglich für Broadcasting entwickelt. Entsprechend wurde von ihnen verlangt, Audiosignale auf einem konstanten, gleichmäßigen Level zu halten. Aber warum dann auf Röhren setzen? Dienen Röhren in erster Linie nicht der Klangfärbung?

Nun ja, das tun sie durchaus auch. Allerdings gilt es zu bedenken, dass Tube-Kompressoren Mitte des 20. Jahrhunderts entwickelt wurden und die technischen Möglichkeiten damals wesentlich beschränkter waren.

Röhrenkompressoren arbeiten nicht linear, sodass die Verstärkung einer Röhre in Abhängigkeit zur Eingangsquelle steht. Außerdem steigt die Ratio der Kompression mit dem Anstieg des Eingangssignals, was für eine Levelierung der Lautstärke sorgt. Genau der Effekt, den man sich für Rundfunk gewünscht hat!

Bekannte Vertreter von Tube-Kompressoren sind der Universal Audio Fairchild 670, Tegeler Audio VTC und der Kush Audio AR-1.

Tegeler Audio VTC-2
Der VTC der Berliner Manufaktur Tegeler Audio.

Tube-Kompressor: Anwendung

Röhrenkompressoren haben langsame Regelzeiten und eignen sich daher nicht für perkussive Klänge oder zum herausarbeiten von Transienten. Die Stärken von Röhren liegen eher, wie oben erwähnt, in der Levelierung. Daher eignet sich diese Art Kompressor für Summen beziehungsweise Busse und kann den beliebten „glue“ verleihen. Außerdem haben Tube-Kompressoren klangfärbende Eigenschaften und können einen fetten, warmen, analogen Sound erzeugen.

>>> HÖRBEISPIELE KOMPRESSOREN <<<

Kush Audio AR-1
Der AR-1-Plug-in-Kompressor von Kush Audio.

Special: Mastering-Kompressoren

Was unterscheidet einen Mastering-Kompressor von anderen Audio-Kompressoren? Beim Mastern geht es darum, einen einheitlichen Mix mit einem homogenen Klangbild zu bekommen. Die Dynamik soll gezügelt und der Mix verdichtet werden, allerdings ohne Transienten zu unterdrücken.

Eine Pauschalantwort, was einen Mastering-Kompressor ausmacht, gibt es meiner Meinung nach nicht. Er sollte sehr flexibel sein und auch schnelle Attack-Zeiten bieten. Vielleicht sogar den Klang leicht färben, wobei dies natürlich Geschmackssache ist und vom Ausgangsmaterial abhängt.
Kurz gesagt: Ein Mastering-Kompressor ist eine gelungene Mischung aus den oben genannten Kompressor-Arten.

Bekannte Mastering-Kompressoren: Shadow Hills Mastering Comp, PSP Master Comp, UAD Manley Vari-Mu, Leapwing Audio Dyn One.

Shadow Hills Class A Mastering Compressor Plug-in by Brainworx
Die Emulation des Shadow Hills Mastering Compressors von Brainworx.

Audio-Kompressor: Kompressionstechniken

Parallel-Kompression

Bei der Parallel-Kompression, auch New York Compression genannt, wird das Ursprungssignal dupliziert (oder als Send in einen freien Kanal geschickt). Das Duplikat kann stärker bearbeitet werden, zum Beispiel im Hinblick auf Punch oder Durchsetzungskraft. Das duplizierte Signal wird anschließend dem Originalsignal beigemischt.

Parallel-Kompression hilft dabei, die Dynamik der originalen Klangquelle beizubehalten. Drums kann somit beispielsweise mehr Punch und Härte verliehen werden. Vocals können kräftiger und durchsetzungsfähiger (aka „in your face“) klingen. Einem Bass kann durch einen färbenden Audio-Kompressor eine Klangfarbe beigemischt werden…

Sidechaining

Sidechaining beschreibt einen externen Signaleingang, der dem Originalsignal zugeführt wird. Diese Technik wird häufig in elektronischer Musik wie EDM, Dubstep und Trap eingesetzt. Die Sidechain beeinflusst die Bearbeitung beziehungsweise Kompression des Originalsignals. Oftmals wird Sidechaining quasi als „Ducking“-Effekt genutzt.

Ein klassisches Beispiel hierfür ist das Zusammenspiel von Kickdrum und Bass. Damit die Kickdrum trotzdem hörbar und durchsetzungsfähig bleibt, wird sie per Sidechain dem Bass zugeführt. Durch entsprechende Einstellungen im Audio-Kompressor sollte der Bass immer dann kurz leiser werden, wenn die Kickdrum spielt. Man könnte aber auch den Bass durch Backing Vocals und die Kickdrum durch Main Vocals ersetzen, damit letztere präsent und verständlich bleiben.

Audio-Kompressoren Kollage

Abschluss

Ich hoffe, mit diesem Artikel eine fundierte Grundlage über Audio-Kompressoren geben zu können. Um die passende Einstellung für einen Audio-Kompressor zu finden, bedarf es einiger Erfahrung. Nichtsdestrotrotz macht auch hier Übung den Meister.

Es ist mir abschließend wichtig, nochmal zu erwähnen, dass ein Audio-Kompressor auch als Kreativwerkzeug eingesetzt werden kann – und durchaus soll. Gerade die Parallel-Kompression bietet Spielraum für Experimente.

Doch bei all der funkensprühenden Kreativität sollte immer die Dynamik des Signals im Auge behalten werden. Ein „totkomprimiertes“ Signal wird keine Freude beim Hören bereiten.

Fotos: Screenshots/Hersteller