Cableguys Shaperbox 3 Test: Kreativuniversum

Mehr Effekte, ein neuer Triggering-Modus, externe Sidechain-Unterstützung – im Cableguys Shaperbox 3 Test erfährst Du alles über die neue Version der virtuellen Kreativbox.

Die Hamburger Software-Schmiede Cableguys hat Version 3 ihres Flaggschiffs Shaperbox veröffentlicht. Neben dem neuen Effektmodul LiquidShaper wurde auch Audio-Triggering via Sidechain implementiert. Eine heißersehnte Neuerung vieler Nutzer, die den Spielraum für Kreativität erheblich erweitert. Darüber hinaus wurden für Shaperbox 3 der Browser überarbeitet sowie Verbesserungen für das Editing von Wellenformen vorgenommen.

Cableguys Shaperbox 3 LiquidShaper
Neu hinzugekommen: LiquidShaper

Übersicht

Eine spannende Neuerung in Shaperbox 3 ist natürlich LiquidShaper. Dieser ist bereits das neunte Effektmodul der virtuellen Sammlung und präsentiert sich in Türkis. Wie auch alle anderen Module ist LiquidShaper Multiband-fähig. Sprich: Bis zu drei in der Grenzfrequenz frei einstellbare Bänder können unabhängig voneinander moduliert und bearbeitet werden.

In der Typ-Box wählt man zwischen Off, Flanger und Phaser aus. Letzterer bietet zusätzlich die Auswahl der Anzahl an Stages (4, 8, 12, 16). Stages beschreibt die All-Pass-Phasing-Stufen. Je mehr Stages, desto phasiger der Sound.

Zudem gibt es verschiedene Modi, die via Klick zu einem Plus (+)- oder Minus (-)-Zeichen wechseln und sich auf beide Effekte unterschiedlich auswirken:

  • Flanger (+): Fetter Klang
  • Flanger (-): Dünner, hohler Klang
  • Phaser (+): Resonante Peaks
  • Phaser (-): Resonante Notches

Die Plus- und Minus-Modi wirken sich auch auf das Verhalten des Center-Sliders aus – Allerdings auf beide Effekte gleich. Im Plus-Modus steuert Center die Frequenz des ersten Peaks des Filters. Im Minus-Modus wird die Frequenz des ersten Notches des Filters gesteuert.

Darüber hinaus gibt es Slider für Stereo und Feedback. Stereo kreiert durch Tonhöhenveränderungen der Center-Frequenz Breite. Die Center-Frequenz kann um bis zu 60 Halbtöne verschoben werden. Dabei wird die Tonhöhe um den gleichen Wert im linken Kanal nach oben und im rechten nach unten geshiftet.

Feedback steuert selbstverständlich die Intensität des Feedbacks. Für Center und Feedback können übrigens individuelle Modulationskurven eingestellt werden.

Video: Flanger vs. Phaser

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Ebenfalls an Bord ist ein Envelope-Follower, der bei Bedarf aktiviert werden kann. Dieser agiert entweder gleich dem selektieren Frequenzband oder unabhängig davon im Free-Modus. Die Hüllkurve kann via Attack, Hold und Release angepasst werden. Zudem stehen die Modi Add und Multiply sowie Shift zum zeitlichen Verschieben der Hüllkurve bereit. Neben Threshold und Amount kann zudem die Depth (x2, x4, x8) angepasst werden. Da es bereits in Shaperbox 2 einen Envelope-Follower gab, werde ich an dieser Stelle nicht genauer darauf eingehen.

Features

  • 9 Effekte + 1 Tool
  • Frei konfigurierbare Modulationskurven
  • Triggering und Modulationen für jeden Shaper individuell einstellbar
  • Multiband-fähig
  • Für Windows und Mac-OS, VST 2, VST 3, AU & AAX
Audio-Trigger
Der neue Audio-Trigger macht die Cableguys Shperbox 3 noch mächtiger als zuvor.

Trigger-Warnung

Für Shaperbox 3 haben Cableguys das Triggering-System von Kickstart 2 übernommen. Via externer oder interner Sidechain lassen sich Shaper nun wahlweise Tempo-Synchron oder via MIDI oder Audio triggern. Dazu gehören auch ein Filter zum Eingrenzen der Trigger-Frequenz sowie ein Input-Monitor, der die Sidechain visualisiert. Letzterer ist allerdings nur für VolumeShaper verfügbar und zugegeben nicht direkt an das Audio-Triggering gekoppelt. Tatsächlich kann der Input bei jedem Trigger-Modus angezeigt werden. Mehr darüber kannst Du im Cableguys & Nicky Romero Kickstart 2 Test lesen.

Doch Cableguys haben das Triggering nicht nur von Kickstart 2 übernommen, sondern für Shaperbox 3 sogar noch verbessert. Neben der Möglichkeit, den LFO via Trigger-Shift vor oder nach einem erkannten Transienten auszulösen, sind vor allem die drei Algorithmen interessant:

  • Drums: Optimiert für Transienten-reiches Audiomaterial wie Drums und Percussions
  • General: Allround-Transient-Erkennung
  • Complex: Speziell für die Erkennung von Transienten bei gelayerten Sounds wie Mixen oder Stems ausgelegt

Die Sensitivität der Transienten-Erkennung im Allgemeinen kann via Detail-Slider eingestellt werden. Über MIDI-Out können die Trigger sogar als MIDI-Datei aufgezeichnet werden oder in Echtzeit andere Plug-ins triggern. Es gilt zu beachten, dass die Audio-Trigger-Einstellungen global sind.

Cableguys Shaperbox 2 Preset-BrowserCableguys Shaperbox 3 Preset-Browser
Vergleich: Preset-Browser der Shaperbox 2 (links) und Shaperbox 3 (rechts).

Weitere Verbesserungen

Shaperbox 3 wurde ein verbesserter Algorithmus für den globaler Mix-Regler spendiert. Dieser soll Phasenprobleme minimieren und eher ein Morphing als ein Layering von Dry und Wet bewirken. Die Mix-Regler der einzelnen Shaper sind nach wie vor vorhanden. Der Preset-Browser wurde modernisiert und erleichtert das Navigieren durch die über 600 mitgelieferten Presets.

>>> Audio-Kompressoren: Was sie sind, welche es gibt & was sie tun <<<

Mit Shaperbox 3 haben Cableguys erstmals Tools eingeführt – eins, um genau zu sein. Im Manual werden Tools als Plug-ins beschrieben, die nicht LFO-gesteuert sind. Den Anfang macht ein Multiband-Kompressor. Dieser bietet die typischen Einstellungen für Attack, Hold, Release, Make-Up, Threshold und Ratio. Auch der Kompressor besitzt einen eigenen Mix-Regler und kann frei in der Shaper-Kette platziert werden.

Weitere Tools sollen übrigens folgen!

Leider können eigene LFO-Fahrten nach wie vor nicht in einer Library abgespeichert werden. Entsprechend müssen eigene Kreationen nach wie vor händisch von einem Shaper auf einen anderen übertragen werden.

Shaperbox-Tool Compressor
Der Kompressor ist erstmals als eigenständiges Tool einsetzbar.

Cableguys Shaperbox 3 Test: Praxis

Für den Cableguys Shaperbox 3 Test habe ich mich hauptsächlich auf den neuen LiquidShaper fokussiert. Sowohl Phaser als auch Flanger klingen gut und sind aufgrund der verschiedenen Klangmodi vielseitig einsetzbar. Lobenswert ist, dass unterschiedliche LFOs für Center und Feedback genutzt werden können. Allein dadurch lassen sich spannende Klänge kreieren.  

Das volle Potenzial schöpft man natürlich erst in Kombination mit anderen Shapern aus – das ist ja auch der Sinn der Shaperbox. Hier gibt es schier unendliche Möglichkeiten, seiner Kreativität Lauf zu lassen. Ein Traum für Soundbasteleien und –experimente!

Auch die vielen kleineren Neuerungen wie der Kompressor, der nun als separates Tool verfügbar ist, und die Sidechain-View für VolumeShaper tragen ihren Teil dazu bei. Sehr mächtig sind auch die Trigger-Modi im Allgemeinen. Jeder Shaper kann individuell getriggert werden, was die Spielwiese enorm erweitert. Zum Beispiel kann für einen Bass DriveShaper im Sync-Modus abgefeuert werden, während die Lautstärke via VolumeShaper von der an der Sidechain anliegenden Kickdrum geduckt wird.

Cableguys Shaperbox 3
Alle Shaper der neuen Box im Überblick.

Cableguys Shaperbox 3 Test: Fazit

Mit Shaperbox 3 haben Cableguys der virtuellen Kreativsuite ein fettes Update spendiert. Highlight ist der neue LiquidShaper, wobei auch die Trigger-Modi, Sidechain-View und Workflow-Verbesserungen das Nutzererlebnis im Vergleich zum Vorgänger erheblich verbessern. Alles in allem ist Shaperbox 3 ein Must-have für Sounddesigner und Experimentierfreudige – und das zu einem unschlagbaren Preis von knapp 100 Euro!

Und sicherlich darf man weitere Shaper und Tools erwarten, die den klanglichen Horizont Stück für Stück ausdehnen.

Verfügbar ab: sofort
Preis (UVP): 99 Euro, einzelne Shaper ab 29 Euro
Weitere Infos: Cableguys

Pros

  • Verbesserter Workflow
  • Einfache Handhabung
  • Neuer Effekt: LiquidShaper
  • Kompressor nun ein eigenständiges Tool
  • Erweitertes Audio-Triggering und Sidechain-View
  • Preis

Cons

  • Custom-LFOs können nicht separat in eine Library gespeichert werden

Fotos: Screenshots

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