Donnerstag, 16. April 2026
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Interview: César Mena über die ecuadorianische Musiklandschaft

von SoundChills
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Cesar Mendosa im Semifusa Estudio mit Hund auf dem Schoß

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César Mena betreibt seit fast 20 Jahren das Semifusa Estudio in Ecuadors Hauptstadt Quito. In diesem Interview gibt der Produzent und Toningenieur Einblicke in die lateinamerikanische Musikszene, spricht über die Herausforderungen und Möglichkeiten der künstlichen Intelligenz und teilt wertvolle Tipps.

Im Herbst 2025 hatte ich die Gelegenheit, Ecuador zu besuchen und über sieben Wochen die Atmosphäre des vielseitigen Landes anhand von Field Recordings einzufangen. Ich wollte diese Gelegenheit aber auch nutzen, um mehr über die lokale Audioszene zu erfahren. Deshalb habe ich bereits im Vorfeld der Reise Kontakt mit César Mena aufgenommen.

César ist ein 44-jähriger Produzent und Toningenieur, der das Semifusa Estudio im Jahr 2007 gründete. In seinem Tonstudio in Ecuadors Hauptstadt Quito hat er bereits für zahlreiche nationale und internationale Künstler, Produzenten und Rundfunksender über eine Vielzahl von Genres hinweg gearbeitet. Neben meiner Neugier über die lateinamerikanische Musiklandschaft war ich auch gespannt, mehr über seine fast zwei Jahrzehnte langen Erfahrung als Studiobesitzer und den Einfluss von KI auf seine Arbeit zu erfahren.

Cesar Mendosa working on a DAW in Semifusa Estudio in Quito, Ecuador
Seit 2007 betreibt César Mena das Semifusa Estudio in Quito, Ecuador.

Kannst du uns etwas über die Geschichte des Semifusa Estudio erzählen?

César: Als ich das Studio gründete, besaß ich lediglich einen Computer, ein kleines 2-Kanal-Audio-Interface, einen 8-Spur-ADAT-Rekorder, ein 12-Kanal-Mischpult, ein Shure SM58 und ein Paar Yamaha NS-10 Monitore, die ich glücklicherweise gefunden hatte. Die ersten vier Jahre waren sehr kraftraubend. Ich nahm viel auf und arbeitete für viele schlecht bezahlte Projekte. Das wenige Geld, das ich verdiente, reinvestierte ich in neues Equipment.

Von etwa 2010 bis 2011 hatte ich einen Geschäftspartner und einen Verwaltungsassistent. Wir konzentrierten uns komplett darauf, „große“ und „wichtige“ Projekte zu akquirieren. 2011 habe ich ebenfalls viel in neues Equipment investiert und begann häufiger Bands aufzunehmen. Ihre Karrieren „explodierten“, nachdem sie ihre Alben in meinem Studio aufgenommen hatten, und die Dinge begannen sich zu bessern. Das Studio verzeichnete ein kontinuierliches Wachstum. Ich nahm Alben für ecuadorianische Bands auf und sowie Live-Sessions für internationale Bands und Solisten aus Mexiko, Peru, Panama, Kolumbien und Argentinien. Leider lief es nicht wie erwartet. Schon bald wurde der fehlende konstante Geldfluss zu einem großen Problem für uns. Schließlich musste ich eine Entscheidung treffen und entschloss mich 2012, die Unternehmensstruktur zu ändern: keine Partner oder Investoren mehr, sondern vollständige Konzentration auf die Akquise weiterer Kunden und Projekte – Ich entschloss mich, zu den Grundlagen zurückzukehren und wieder solo zu arbeiten.

Von 2012 bis 2020 leitete ich das Studio selbst; ich habe produziert, gemischt und gemastert. Ich hatte außerdem einen Audioassistenten, der für Produktion, Aufnahme, Editing und Sessions als Session-Musiker zuständig war. Gelegentlich hatten wir auch Praktikanten, die ihn beim Editing und bei Aufnahmen unterstützten.

Dann kam die Pandemie und krempelte die komplette Branche um. Ich musste mich so schnell wie möglich an die neuen Umstände, Arbeitsabläufe und Budgets der Kunden anpassen. Heute kann ich allerdings sagen, dass ich mit mehr Session-Musikern und Produzenten zusammenarbeite als vor der Pandemie, da diese für spezifische Projekte engagiert werden und keine direkten Mitarbeiter des Studios sind.

Das Studio selbst hat sich ebenfalls verändert. Ich habe jetzt nur noch einen Aufnahmeraum und die Regie. Ich habe den Großteil der Hardware verkauft und mehr in Software investiert. In den vergangenen Jahren habe ich außerdem hauptsächlich mit Solokünstlern gearbeitet.

Derzeit ist das Einkommen des Studios stabil, aber Ecuadors Situation ist nicht die beste. Wenn sich die Lage wieder bessert, möchte ich gerne wieder Teilzeitassistenten und Praktikanten einstellen.

Semifusa Estudio mixing room
Während meiner Reise hatte ich die Möglichkeit, traditionelle ecuadorianische Instrumente mit César aufzunehmen.

In welchen Genre(s) arbeitest du hauptsächlich?

César: Die Musikstile, in denen ich meistens arbeite, sind Pop, Pop-Rock und Alternative Alternative Rock sowie einige Urban-Stile, zu denen verschiedene Genres wie Reggaeton, Trap und bestimmte damit verwandte Fusionen gehören. Ich habe auch Erfahrung in klassischer Musik, Jazz und traditioneller ecuadorianischer Volksmusik mit Schlaginstrumenten wie Marimba, Alegre-Trommel, Congas, Bongos und Timbales sowie einigen Blasinstrumenten, die für die ecuadorianische Volksmusik charakteristisch sind. Aufgrund all der Erfahrungen, die ich über die Jahre gesammelt habe, liebe ich Fusion-Stile – nicht nur in Bezug auf Musik, sondern auch in Bezug auf Produktions- und Mischtechniken.

Kannst du ein paar deiner Produktions- und Mischtechniken für Fusion-Genres mit uns teilen?

César: Natürlich. Wenn ich mit der Produktion oder dem Mixing beginne, stelle ich mir zunächst folgende Fragen:

  • 1.       Welche Frequenzbereiche werden von den einzelnen Instrumenten belegt?
  • 2.       Was ist der Zweck jedes Instruments (Rhythmus, Harmonie, Melodie)?
  • 3.       Welche Struktur hat der Song?
  • 4.       Welche Emotionen möchte ich für den gesamten Song oder in bestimmten Teilen erzeugen? – Das bestimmt die ungefähre Anzahl der Instrumente, die ich für die jeweiligen Songteile verwenden werde.

Um die genaue Art der Fusion zu definieren, frage ich den Kunden oder mich selbst, was der Hauptstil und was der Nebenstil ist. Zum Beispiel: Ist es ein Popsong mit Volksinstrumenten? Oder ist es ein Volksstück mit Pop-Instrumenten? Basierend auf dieser Antwort und den oben genannten Fragen treffe ich dann Produktions- und Mixing-Entscheidungen:

Volkstümliches Stück mit Pop-Instrumenten: Ich neige dazu, weniger „Air“ (oberhalb von 10 kHz) und weniger Sub-Bass (unterhalb von 75 Hz) zu verwenden. Kein aggressives Panning oder merkliche Panning-Automation. Ich setze subtraktives EQing subtil ein und kontrolliere die Dynamik behutsam. Pop-Instrumente, die ich verwende, müssen in Bezug auf Air und Sub-Bass mit einem EQ bearbeitet werden, manchmal mit Low- und High-Cut-Filtern. Pop-Instrumente treten in den Hintergrund oder erscheinen nur für kurze Perioden im Vordergrund. Ich verwende generell kaum Chorus oder Pitch-basierte Plug-ins. Meistens lasse ich dem Mix auch eine höhere Dynamik. Wenn ich jedoch einen „moderneren“ Sound möchte, breche ich diese Regeln auch mal – aber stets behutsam.

Popsong mit Volksinstrumenten: Das finde ich einfacher, da es meinen üblichen Produktions- und Mixing-Workflows entspricht. Im Grunde muss ich nur Platz für die Volksinstrumente schaffen und sicherstellen, dass sie bei Bedarf präsent sind.

Was sind deine bevorzugten Software-Tools?

César: Für EQs verwende ich sehr häufig den Waves Q10*, H-EQ* und Classic EQ.

Ich habe noch einige ältere Plug-ins; Drumagog 5 zum Beispiel ist ein Plug-in, das von manchen DAWs nicht mehr unterstützt wird, da es nicht auf 64-Bit-Systemen läuft. Ich verwende dann jBridge, um diese Art von älteren, aber guten Plug-ins zu betreiben.

Weitere Tools, die ich häufig nutze, sind FabFilter Pro-MB* und FabFilter Pro-G*. Das Noise Gate mag ich sehr. Von Plugin Alliance verwende ich gerne den bx_townhouse Bus Compressor*. Ich mag die Attack, die ich mit damit erzeugen kann; er ist sehr flexibel, reagiert sehr schnell und eignet sich hervorragend für Drums und Percussion.

Ein weiteres Plug-in, das ich oft nutze, ist Waves CLA Epic* – eine Sammlung von Echos und Räumen. Es stellt mir jeweils vier Arten von Delays und Reverbs innerhalb eines Tools zur Verfügung.

Für Parallel-Processing von Percussions oder Gitarren verwende ich oft Native Instruments Dirt, um dem Klang Charakter und Distortion zu verleihen.

Für Bass nutze ich gerne den Ampeg B-15N von Plugin Alliance*. Der ist sehr flexibel und bietet eine gute Emulation verschiedener Mikrofontypen.

Ein weiterer Favorit ist der Waves L1 Maximizer*. Ich setze ihn manchmal auf Instrumenten-Bussen ein, die etwas mehr Kontrolle benötigen – dezent, um den natürlichen Klang zu erhalten.

Hinzu kommt der Waves MV2*. Das ist ein Kompressor, der mir ermöglicht, unabhängig hohe und niedrige Signalanteile zu bearbeiten.

Mix rack of Semifusa Estudio with studio hardware processors

Ich nutze über jBridge auch noch immer den Slate Digital Kompressor, den VBC FG-Grey. Ich liebe diesen Kompressor für Vocals und Streicher sowie auf dem Mix-Bus, um den Mix zu „gluen“.

Für Vocals nutze ich gerne das Waves Kramer Tape*, um der Stimme eine Färbung zu verleihen. Und ich mag auch das darin enthaltene Slap Delay, das in bestimmten Situationen gut funktioniert.

Ein weiteres Plug-in, das ich sehr häufig nutze, ist Waves Butch Vig Vocals*, um auf dem Vox-Bus automatisch Räumlichkeit hinzuzufügen. Ich liebe die Röhren- und Transistorsättigung darin.

Neuere Plug-ins, die ich verwende, sind Oeksound Soothe 2, das mir wirklich viel Zeit spart, und Sonible smart:EQ 4* – da dieser mit KI arbeitet, kann er unabhängig operieren. Oder, indem es die Korrelation zwischen Bussen oder Instrumenten berücksichtigt, eine allgemeine Perspektive des Mixes liefern und Parameter vorschlagen. Manchmal mache ich dann noch einen händischen Feinschliff.

Generell nutze ich alle Plug-ins von Sonible, wie smart:comp* und smart:limit*. Smart:limit liebe ich für Mastering-Projekte. Ich habe zuvor FabFilter Pro-L* verwendet, aber smart:limit liefert mir viel transparentere und natürlichere Ergebnisse. Außerdem kann ich damit bequem die geforderten LUFS-Pegel erreichen, ohne das Signal zu beschädigen oder den Charakter des Mixes zu verändern.

Als Allzweck-Plug-ins nutze ich Reverbs gerne als Send-Effekte – zum Beispiel die Universal Audio Pure Plate. Ich mag, wie nahtlos diese sich in den Mix einfügt. Für sehr kurze Delays und um dem Signal ein Gefühl von Breite zu geben, verwende ich manchmal das Waves H-Delay*. Ab und an nutze ich es auch als Ping-Pong-Delay mit mittleren Delay-Zeiten.
Ich besitze auch TAL-Chorus-LX von TAL und bx_room von Brainworx*. Letzteres verwende ich gerne für Plate-Reverbs.

Ein Lieblings-Plug-in zum Experimentieren und Spielen mit der räumlichen Platzierung von Effekten wie Delay oder Reverb ist Waves Brauer Motion*. Ich insertiere es in der Regel nach einem langen Delay oder einem ausgedehnten Reverb, um Bewegung und räumliche Tiefe zu erzeugen.

Ein weiteres häufig eingesetztes Plug-in, um eine Tiefenstaffelung in Mixes und auf dem Master-Bus zu erzeugen, ist Waves H-EQ. Außerdem verwende ich Waves Vitamin* beim Mixing fast immer auf Instrumenten-Bussen wie Gitarren oder Keyboards.

Für das Mastering mag ich den Shadow Hills Class A Mastering Compressor*. Ich nutze auch Native Instruments Transient Master, um bei Bedarf einen sehr subtilen Hauch von Dynamik hinzuzufügen. Einer meiner meistgenutzten Kompressoren ist der API 2500*; in diesem Fall nutze ich die Waves-Version, sowohl fürs Mastering als auch zur Kontrolle bestimmter Instrumentengruppen beim Mixing.

Ich mag auch den Black Box Analog Design HG-2*. Ich habe die Plugin Alliance-Version von Brainworx. Außerdem setzte ich SonoBus ein, um meine Mischungen auf anderen (Konsumer)Geräten wie Smartphones, denn die App streamt Audio aus meiner DAW in Echtzeit.

Aktuell hat ein Plug-in viele der Metering-Plug-ins, die ich zuvor verwendet habe, ersetzt: Steinberg SuperVision, das mit der Pro-Version von Cubase geliefert wird. Es beinhaltet mehrere Meter: PLR-Metering, Peak-Metering, Mono-Kompatibilitäts- und Korrelations-Checks sowie Frequenzband-Korrelation, was es zu einem leistungsstarken Multiband-Korrelationswerkzeug macht. Auch die enthaltenen LUFS-Meter sind sehr zuverlässig.

Christoph Strauss (l) with Cesar Mendosa
César (r) und ich in seiner Regie.

Wie würdest du die ecuadorianische Musikszene beschreiben?

César: Die ecuadorianische Musikszene ist aus mehreren Gründen schon immer recht kompliziert. Einerseits aufgrund der Größe des lokalen Publikums und der kulturellen Erwartungen. Es gibt bestimmte Musikstile, die historisch große Akzeptanz genossen haben (populäre Rhythmen), die auf dem internationalen Markt jedoch nicht unbedingt beliebt sind.

Andererseits, weil die Ausschüttungen von Tantiemen problematisch ist. Diese sind natürlich sehr wichtig für Musiker. In Ecuador sind die für den Einzug von Tantiemen und den Schutz des Urheberrechts zuständigen Institutionen häufig ineffizient. Es fehlt an Verständnis für die Prozesse und die verschiedenen Mechanismen zur Erhebung von Tantiemen und Master-Records. Selbst die zuständigen Stellen geben keine zuverlässigen Informationen. Und das Schlimmste ist, dass selbst die Registrierung der Werke bei diesen Institutionen keine Garantie ist, Tantiemen zu erhalten. Diejenigen, die Zahlungen erhalten, sind die Künstler mit den meisten Streams. Wenn man kein gewisses Maß an Bekanntheit erreicht, bekommt man keinen einzigen Cent – fast wie ein Schneeballsystem, sehr ähnlich dem, was Spotify heute mit Künstlern macht.

Vor der Pandemie konnte man sagen, dass es in Ecuador bereits eine Musikindustrie auch für andere Genres gab. Die Struktur war vorhanden: Es gab Medien, Bands, Studios, Künstler, Solisten, Manager, Booking-Agents, sehr gute Produzenten, sehr gute Toningenieure, Veranstaltungsorte und hochqualifizierte Live-Toningenieure. Nach der Pandemie hat sich jedoch die gesamte Struktur für Musikpromotion und -vertrieb vollständig verändert (weltweit), und die wenigen verbliebenen Medien, Booking-Agents, Manager, Künstlermanagement-Unternehmen und Labels verschwinden im Grunde. Und jetzt versuchen wir, die Musikindustrie neu zu erfinden. Oder erfindet die Musikindustrie uns neu? 🙁

Close-up of gear in Semifusa Estudio

Musik kann heutzutage von jedem veröffentlicht und vertrieben werden. Das Verschwinden von Labels und Medien sollte nicht unbedingt einen großen Einfluss auf die Menge der produzierten und veröffentlichten Musik haben.

César: Das stimmt. Die Menge der produzierten Musik hat über die Jahre zugenommen – weltweit. Es gibt mehr als 100.000 neue Veröffentlichungen pro Tag auf Spotify (Anm. d. Red.: Ca. 99.000 Songs pro Tag im Jahr 2024). Aber Projekte sind nicht selbsttragend. Ganz zu schweigen davon, dass es immer weniger Bands gibt. DIY funktioniert nicht; Musiker verlieren viel Zeit damit, sich selbst zu managen, und arbeiten, bis sie erschöpft sind. Und viele geben ihre Träume irgendwann auf (Jobs in der Musikindustrie sind nicht so einfach, wie TikToker es behaupten). Im Netz und in den sozialen Medien gibt es sehr viele Fehlinformationen. Musikkreation ist zum Beispiel etwas anderes als Content-Kreation. Und Musiker erkennen nicht, dass sie nicht mit Millionen von Content-Creatorn konkurrieren müssen. Sie müssen gezielt an bestimmten Marketing-Maßnahmen arbeiten und ihre Bemühungen auf kleine Nischen fokussieren.

Das Gleiche gilt für Musikproduktion. Musiker denken, sie könnten leicht das erreichen, was ein Profi kann. Sie verlieren viel Zeit und Geld, um die Grundlagen der Musikproduktion zu lernen: Mixing, Mastering, monatliche Abonnements für Plug-ins, Gear-Käufe und so weiter. Wenn sie mit einem professionellen Toningenieur zusammenarbeiten würden, könnten sie diese Zeit nutzen, um sich auf ihre musikalische Karriere zu konzentrieren und ihre Musik ebenfalls professionell zu promoten. Einen Song komplett im Alleingang von der Komposition bis zur Veröffentlichung gemäß professioneller Standards zu produzieren dauert wesentlich länger, als wie wenn man für jede Aufgabe Profis an Bord holt.

Du hast erwähnt, dass Producing mehr gefragt ist als Recording, Mixing und Mastering. Wie hat die Veränderung der Musikszene, besonders in den letzten fünf Jahren, deine Arbeit beeinflusst?

César: Ich denke, das ist ein tiefer liegendes Problem. Jüngere Generationen verlieren ihre sozialen Fähigkeiten, einschließlich des Spielens in einer Band und der Entwicklung und Aufrechterhaltung von Empathie für die anderen Mitglieder. Andererseits tendiert die Musikindustrie dazu, Solokünstler mehr zu fördern als Bands. Wenn man sich die Charts anschaut, sieht man, dass die meisten Top-Künstler Solisten sind.

Diese zwei großen Faktoren machen sich im Studio bemerkbar. Mit der Zeit hatte ich immer mehr Kunden, die in verschiedenen Genres arbeiteten. Sie alle haben großartige Projekte, können aber keine Band zusammenhalten. Also werde ich häufig gebeten, sie zu produzieren und Session-Musiker zu engagieren.

Ich produziere üblicherweise acht bis zwölf Songs pro Monat, und nur drei davon stammen von Bands. 2019 war es umgekehrt.

Recording room of Semifusa Estudio with a fully mic'd drumkit
Im Aufnahmeraum steht ein mikrofoniertes Schlagzeug.

Da Du in verschiedenen (experimentellen) Genres und Bereichen der Audioproduktion arbeitest, kannst du uns ein paar Tipps und Tricks verraten, die du gerne früher gelernt hättest?

César: Der grundlegendste Tipp ist: Hör viel Musik. Studiere sie, spiele sie nach – und vergiss nicht, sie zu genießen.

Wenn du noch nie ein bestimmtes Instrument aufgenommen hast, zögere nicht, den Musiker zu bitten, ein paar Minuten lang zu spielen. Gehe durch den Raum, um den Musiker herum, um das Instrument herum, und denke darüber nach, wie es im Mix klingen soll. Das hilft zu bestimmen, welche Mikrofone du verwendest und wo du sie platzierst. Wenn das im schlimmsten Fall nicht hilft, frag den Musiker einfach, wie sein Instrument normalerweise aufgenommen wird. Er wird es dir höchstwahrscheinlich verraten, denn Menschen lieben es zu lehren.

Investiere dein Geld und deine Zeit weise. Plug-ins und DAWs sind nur Werkzeuge. Lerne, sie wirklich zu nutzen. Verschwende keine Zeit damit, Marken zu verteidigen, die du magst; kaufe nicht jedes neue Plug-in und aktualisiere keine Software, wenn du die neuen Funktionen nicht benötigst.

Ich teile allgemeine technische Tricks nicht gerne, da diese von spezifischen Situationen abhängen. Und auf TikTok gibt es viele gute Out-of-the-Box-Tricks. Als Daumenregel würde ich allerdings raten: Bearbeite alles mit einem EQ und scheue dich nicht vor Automationen.

Wirkt sich der Einfluss Künstlicher Intelligenz bereits auf deine Arbeit aus?

César: Ich habe Kunden, die ihre Musik mit KI-Apps erstellen, und ich werde nur engagiert, um Vocals aufzunehmen, zu editieren, zu mixen und zu mastern. Manchmal werde ich gebeten, diese Songs mit echten Musikern neu aufzunehmen und zu verbessern. Glücklicherweise erkennen die Menschen in Ecuador, dass KI-Tools nur Werkzeuge mit generischen Ergebnissen sind, und echte Musiker bekommen wieder mehr Aufträge. Ich hoffe, das wird so bleiben.

Cesar Mendosa mixing in Semifusa Estudio in Quito, Ecuador

Nutzt du selbst KI-Tools?

César: Ja, ich nutze Apps wie Moises, um Stems und Akkorde zu erhalten und generische Demos fertigzustellen; Kits.ai, um Vocals zu verstärken; Suno, um mich bei Burnouts zu inspirieren; Vocaloid, um Vocal Guides zu erstellen, und ChatGPT, wenn ich mit meinen VSTs einen bestimmten Sound erzielen möchte – es sammelt die notwendigen Informationen für mich, während ich ein Glas Wasser trinke. Ich versuche produktiver zu sein. Wenn KI mir dabei hilft, dieses Ziel zu erreichen, werde ich sie nutzen, solange meine Arbeit dadurch in der Zukunft nicht gefährdet wird. Ich lese immer die Nutzungsbedingungen und die Updates, um künftige Urheberrechtsprobleme oder andere Schwierigkeiten zu vermeiden.

Machst du dir Sorgen, dass automatisierte KI-basierte Mixing- und Mastering-Systeme deine Zukunft als Toningenieur beeinflussen werden?

César: Ja, das macht mir Sorgen. Aber es liegt nicht in meiner Hand das zu kontrollieren. Dennoch möchte ich weiterhin in der Musikindustrie wettbewerbsfähig bleiben. Ich möchte mich in allem, was ich tue, verbessern: bessere Ergebnisse als KI erzielen, Dinge tun, die KI noch nicht kann, und KI besser nutzen als meine Kunden. Fressen oder gefressen werden.

Weitere Infos: Semifusa Estudio

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