Korg Filter Ark Test: Wenn Legenden auf moderne Klangarchitektur treffen
Mit Filter Ark schlagen Korg die Brücke zwischen legendären analogen Filtern, modernen Klang-Shapern und kreativen Modulationsmöglichkeiten. Ob sich dieser Ansatz auf dem hart umkämpften Filter-Markt durchsetzen kann, verrät dir der Korg Filter Ark Test.
MS-20, Polysix, miniKorg 700s, Arp Odyssey – all diesen Synthesizern sagt man Legendenstatus nach. Dafür haben nicht zuletzt die Filter dieser Instrumente gesorgt, die deren Klangcharaktere maßgeblich prägen.
Nachdem Korg im Herbst 2025 die Korg Collection 6 einschließlich der genannten Synths veröffentlicht haben, stehen nun mit Filter Ark deren Filter in einem dedizierten Plug-in zur Verfügung – ein willkommener und vielleicht auch längst überfälliger Schritt, denn Emulationen gab es bisher nur von Drittanbietern wie Arturia.
Filter Ark geht aber noch einen Schritt weiter: das Plug-in ist ein vollwertiger Multi-Effekt mit vier Slots, zusätzlichen experimentellen Filtern, Modulationsmöglichkeiten und mehr. Grund genug, das Tool in der Version 1.0.4 einem Test zu unterziehen.

Korg Filter Ark Test: Übersicht
Die Nutzeroberfläche des Plug-ins eröffnet vier Effektslots, die mit jeweils einem der insgesamt 14 Filtermodule belegt werden können. Diese werden via drag&drop einfach platziert und lassen sich auch im Nachhinein in der Signalkette verschieben. Zur Auswahl stehen:
- MS-20: 12 db/Okt. Filter, Low- oder High-Pass
- Polysix: 24 db/Okt. Low-Pass-Filter
- Modal: Physical Modeling Resonator, imitiert die Resonanzen von Streichern und Metallen
- Vowel: Morphbares Formant-Filter
- Stereo: Getrennte Kanalbearbeitung von links/rechts, vier Filtertypen zur Auswahl
- IR: Player für Impulsantworten
- All Pass: All-Pass-Filter
- Morphing: Morpht zwischen vier Filtertypen
- miniKorg 700s: High- und Low-Pass-Filter mit zwei Modi
- Arp Odyssey: Low-Pass-Filter, Filtersteilheit von der Revision abhängig (12/24 dB/Okt)
- Wave Guide: Resonator, der den Algorithmus des Volca Drum nutzt
- Spectrum Tracer: Kombiniert die Charakteristiken eines Samples mit dem des Audioeingangs
- Drift: Unabhängige Low- und High-Pass-Filter für links/rechts
- Multi Mode: Elf Filtertypen zur Auswahl, darunter Bandpass, Shelf und Notch
Eine Auswahl von 54 Impulsantworten/Samples für IR und Spectrum Tracer sind im Lieferumfang von Filter Ark enthalten. Darunter finden sich Cabinets, Effekte und Räume/Reverbs.
Kurz & knapp
➡ Korg Filter Ark ist ein kreatives Filter-Plug-in mit vier Slots, 14 Filtermodulen, Modulationsmöglichkeiten und flexiblem Routing
➡ Für Producer & Sounddesigner
➡ Fazit: Ein vielseitiges Plug-in mit tollen analogen Filtern sowie spannenden Neuentwicklungen, das viele kreative Möglichkeiten bietet und auch klanglich überzeugt.
Die Oberfläche bietet zudem Zugriff auf Fader für Input und Output, vier frei zuweisbare Macros, den Noise-Generator sowie einen Knopf zum Öffnen der Routing-Matrix. Letztere stellt sechs vorprogrammierte Routings zur Auswahl. Anhand der Matrix können aber auch eigene Konfigurationen vorgenommen werden.
In der oberen Leiste gibt es noch ein Menü zum Einstellen der Tonleiter. Ist die Tonhöhenquantisierung in einem Filtermodul aktiv, bezieht diese sich auf die Einstellung des Scale-Menüs. Außerdem gibt es daneben ein BPM-Menü, das allerdings nur im Standalone-Modus relevant ist.
Features
- Legendäre und neuentwickelte Filter (14 insgesamt)
- Vier frei belegbare und routbare Filterslots
- Vier Modulationsquellen
- Integrierter Noise-Generator
- Vier Macros
- Echtzeit-Frequenz-Analyzer
- Tonhöhenquantisierung
- Inklusive Impulsantworten (54 Samples)
- Sidechain-Unterstützung
- Für Windows und Mac-OS; VST 3, AU, AAX und Standalone
Advanced View und Modulatoren
In der oberen Leiste lässt sich Filter Ark auch in einen erweiterten Modus schalten. Dann klappt ein Panel mit einem Echtzeit-Analyzer aus. Die Fläche dient gleichzeitig als Board für die Einstellung der vier Modulatoren sowie der Mod-Matrix, die dann auch oberhalb der Modulslots sichtbar werden.
>>> Polyverse Filterverse Test: Ein Filter für alle Fälle <<<
Modulationsseitig stehen für jeden Modulator wahlweise ein morphbarer LFO, Envelope Follower, Sequenzer und ein Zufallsgenerator zur Verfügung. Hervorzuheben ist, dass die Wellenformen der LFOs frei eingezeichnet werden können.
Die Modulatoren können ebenfalls frei zugewiesen werden und Parameter auch bipolar steuern. Die Mod-Matrix, Map Table benannt, gibt eine Übersicht aller Zuweisungen und erlaubt auch deren Verwaltung.

Korg Filter Ark Test: Praxis
Filter Ark ist sowohl in der neuen Korg Collection 6 als auch als separates Plug-in erhältlich. Die Installation geschieht über den Korg Software Pass. Vor gut einem Jahr durfte ich die Korg Collection 5 testen und hatte auch über die Probleme mit dem Software Pass berichtet. Erfreulicherweise hat diesmal fast geklappt – bis auf, dass die Installation nicht vom Software Pass erkannt wird. Es gibt auch keine Möglichkeit, einen Scan durchzuführen. Zum Glück können die Installer aber auch manuell im Nutzerkonto heruntergeladen werden, wodurch es mir dann doch noch möglich war, auf die neueste Version zu aktualisieren (v.1.0.4).
Spaß mit Filtern
Für den Test habe ich mir wie üblich ein paar trockene Loops verschiedener Instrumente geschnappt, darunter Bässe, Synths, Gitarren, Keys und Drums. Normalerweise lege ich für Tests dieser Art auch immer einen schlichten Sinuston an, denn ein guter Multi-Effekt mit Modulatoren sollte daraus etwas erschaffen können. Bei Filter Ark habe ich aber aufgrund des internen Noise-Generators bewusst darauf verzichtet, da dieser diesen Test ersetzt.

Um erste Eindrücke zu gewinnen, habe ich mich durch die üppige Auswahl an Presets gehört. Diese sind fein säuberlich in sieben Kategorien eingeordnet, darunter Spectral, Resonator und Dynamics. Beim Durchhören kamen schnell die analogen Wurzeln des Plug-ins durch die charakteristischen Sweeps, Blips und Beeps zur Geltung – sehr cool! Anhand der Macros sind auch Anpassungen im Handumdrehen erledigt.
Im Allgemeinen macht Filter Ark Spaß. Gerade, wer Fan analoger Filter ist, kommt auf seine Kosten. Im Test hat das Plug-in meine Erwartungen erfüllt. Dank der neuentwickelten Filter entstehen zudem interessante Klänge und Texturen. Das möchte ich auch nochmal positiv hervorheben, denn dadurch wird Filter Ark zu einem spannenden Tool, das eben nicht nur eine weitere Emulation ist.
Gefiltertes Rauschen im Korg Filter Ark Test
Sehr cool ist auch der integrierte Noise-Generator. Damit wird Filter Ark zu einem eigenständigen Instrument. Dessen Stärken liegen meiner Ansicht nach im Erzeugen von Texturen und Effekten, einschließlich Risern. Es lassen sich wirklich coole Sounds basteln, die durch den Einsatz der Modulatoren auch eine entsprechende Dynamik mit sich bringen.
Im Test ist es mir allerdings kaum gelungen, wirklich rhythmisches musikalisches Material wie Sequenzen anhand des Noise-Generators zu kreieren. Am ehesten noch durch den Einsatz von IR und Spectrum Tracer.

Insbesondere Letzterer hat mir großen Spaß bereitet, denn abhängig vom Sample, das man einspeist, kann man abgefahrene Sounds erzeugen. Wirft man beispielsweise eine Akkordfolge hinein und fügt anschließend die Drift- und Polysix-Filter mit Modulationen hinzu, bekommt man einen Vocoder-ähnlichen Effekt heraus.
>>> Producely Dialr Test: Smarter Controller mit Auto-Mapping <<<
Die mitgelieferte Sample- beziehungsweise Impulse-Response-Auswahl geht in Ordnung. Ich hätte mich aber über ein paar tonale/melodische Samples der hauseigenen Synths gefreut. Und ein dedizierter Position-Regler für das IR-Modul würde die fummelige Einstellung via Maus erleichtern.
Ein weiteres tolles Feature ist die Tonhöhenquantisierung. Dadurch ist gewährleistet, dass man in der passenden Tonleiter arbeitet. Da jedes Filtermodul individuell dieser Quantisierung folgt, können auch ein paar tonale „Ausreiser“ eingebaut werden, die dem Klang eine gewisse Textur verleihen.

Umfangreiches Sounddesign mit Modulatoren und Macros
Anhand der vier Modulatoren, des individuellen Routings und der Macros lädt Filter Ark natürlich zum Experimentieren und Basteln ein. Genau wie das Platzieren der Filtermodule klappt auch das Verknüpfen von Modulationsquellen und -zielen und Macros via drag&drop. Die LFOs erlauben das freie Einzeichnen von Wellenformen und das Morphen zwischen zwei verschiedenen, damit lassen sich dann allerhand wilder Verläufe kreieren, die sowohl subtile Variationen als auch komplett neue Sounds nach sich ziehen können.
Wovon ich ein großer Fan bin, sind flexible Routings. Und das macht Filter Ark vorbildlich. Nicht nur, dass ein paar gängige serielle und parallele Schaltungen hinterlegt sind, es können auch völlig freie Signalwege kreiert werden. Dies lädt einmal mehr zum Experimentieren ein. Auch Feedback-Schaltungen sind möglich, wodurch komplexe Sounds entstehen können.
Leider ist die Plug-in-Oberfläche nicht frei skalierbar, sodass man beim Einblenden der erweiterten Ansicht jedes Mal aufs Neue eine passende Zoom-Stufe finden muss. Und auch ein globaler Bypass ist nicht an Bord – beides Features, die ich bei einem knapp 100 Euro teuren Tool erwarte.

Korg Filter Ark Test: Fazit
Mit Filter Ark präsentieren Korg ein Plug-in, dass die beliebten und legendären Filter der analogen Synthesizer des Herstellers mit frischen und neuentwickelten Filtern vereint. Die insgesamt 14 Module können anhand der vier Effektslots frei kombiniert und mit vier Modulatoren und individuellen Routings für Klangkreationen aller Art eingesetzt werden. Sowohl klassische Sweeps und Bleeps sowie moderne Sounds sind damit möglich. In Punkto Funktionalität und Klangqualität gibt es nichts zu meckern, abgesehen vom fehlenden globalen Bypass und der nicht frei skalierbaren Nutzeroberfläche.
Filter Ark hat im Test überzeugt und ist ein gelungenes Plug-in. Endlich gibt es die Filter vom Korg MS-20, Polysix, Arp Odyssey und anderen Synth-Legenden auch in einem eigenständigen Plug-in.
Den Preis von fast 100 Euro finde ich sportlich angesetzt, aber aufgrund der einzigartigen Filter noch akzeptabel. Für etwa 50 Euro mehr bekommt man nämlich Filterverse von Polyverse – und das ist nochmal eine andere Liga. Nichtsdestotrotz sei gesagt, dass Fans analoger Filtersounds mit Filter Ark voll auf ihre Kosten kommen und auch Klangbastler sicherlich ihre Freude daran haben werden.
Verfügbar ab: sofort
Preis (UVP): 99 USD
Weitere Infos: Korg | Filter Ark @ Plugin Boutique*
Pros
- Übersichtliche und intuitive Nutzeroberfläche
- Einzigartige Filter
- Klassischer Analogsound
- Freie Kombination von Filtern, Modulatoren und Signalwegen
- Macros
- Tonhöhenquantisierung
Cons
- Nutzeroberfläche nicht frei skalierbar
- Kein globaler Bypass
- Setzen der Startposition im IR-Modul fummelig
* Die mit einem Stern (*) gekennzeichneten Links sind Werbelinks (affiliate). Wenn Du etwas darüber kaufst, bekomme ich eine kleine Provision, die zum Erhalt von SoundChills beiträgt. Für dich entstehen KEINE Mehr- oder Zusatzkosten.
Fotos: Hersteller, eigene

