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Mit dem Multi/Poly präsentiert Korg einen digitalen Hardware-Synthesizer, der die vielseitige Klanggestaltung der jüngeren Synthesizer-Generation des Herstellers mit Anleihen an den legendären Mono/Poly verbindet. Herzstück ist eine leistungsfähige Analog-Modeling-Engine, die den Klang analoger Synthesizer digital nachbildet und um moderne Möglichkeiten wie Wavetable-Synthese, umfangreiche Modulationen und bis zu vier Layer erweitert. Ob sich der Multi/Poly damit als vielseitiges Multi-Tool im Studio empfiehlt, zeigt unser Test. Von Wolfgang Merx
Seit einigen Jahren setzt Korg verstärkt auf kompakte Synthesizer, die hochqualitative Sounds mit umfangreichen Kontrollmöglichkeiten verbinden. Auch der Multi/Poly folgt diesem Ansatz. Sein Name und das Bedienpanel erinnern an den Mono/Poly, Korgs Synthesizer-Klassiker aus den frühen Achtzigern. Eine Neuauflage des Originals ist der Multi/Poly allerdings nicht, sondern ein eigenständiges Instrument mit digitaler Klangerzeugung und Analog Modeling. Dabei werden charakteristische Eigenschaften analoger Schaltungen digital nachgebildet. Simulierte Bauteilschwankungen sollen beispielsweise zu einem lebendigen, weniger statischen Klang mit analoger Wärme beitragen.
Darüber hinaus vereint der Multi/Poly verschiedene Ansätze, die man bereits von Korgs Synthesizern Modwave, Wavestate und Opsix kennt. Das Ergebnis ist ein Instrument, das klassische Synthesizerklänge ebenso ermöglichen soll wie komplexe, moderne Klanglandschaften.
Ob der Multi/Poly tatsächlich ein klanglicher Tausendsassa ist, habe ich in einem mehrwöchigen Test herausgefunden. Dafür hat mir der deutsche Vertrieb von Korg, Korg & more, freundlicherweise die Modul-Version des Synths zur Verfügung gestellt.

Korg Multi/Poly Test: Überblick
Auf dem Frontpanel bietet der Multi/Poly in der Module-Version auf kleinem Raum überraschend viele Knöpfe und Regler. Hinzu kommen Sekundärfunktionen und eine umfangreiche Menüstruktur. Obwohl das Design an den Mono/Poly erinnert, unterscheidet sich die Anordnung der Bedienelemente aufgrund der erweiterten Funktionen deutlich vom älteren Vorbild.
Die Bereiche für Oszillatoren, Filter, VCA und Hüllkurven sind in dieser Reihenfolge wie üblich von links nach rechts angeordnet. Dennoch muss man anfangs etwas suchen, bis man den richtigen Knopf oder Regler gefunden hat.
Auf der linken Seite befindet sich außerdem Korgs Kaoss-Physics-Pad als zusätzlicher Controller mit verschiedenen Einstellungsmöglichkeiten. Und ein 16-Step-Sequencer ist ebenfalls integriert.
Kurz & knapp
➡ Der Korg Multi/Poly ist ein kompakter Synthesizer mit Analog-Modeling-Engine und vielseitiger Filtersektion.
➡ Für Producer, Sounddesigner und Musiker
➡ Fazit: Der Korg Multi/Poly überzeugt als vielseitiger Allround-Synthesizer mit großem Klangspektrum, starken Presets und viel Potenzial für kreatives Sounddesign. Trotz etwas umständlicher Bedienung und kleiner Schwächen bei der Sichtbarkeit der Regler ist der Preis von rund 800 Euro angesichts der gebotenen Möglichkeiten fair.
Auf der Rückseite des Gehäuses befinden sich Anschlüsse für MIDI In/Out, USB-B, Stereo-Line-Out (L/R), Kopfhörer, das 12-V-Netzteil und ein Dämpferpedal.
Die von mir getestete Module-Version des Multi/Poly unterscheidet sich von der „regulären“ übrigens nur dadurch, dass sie ohne Klaviatur und ohne Pitch- und Modulationsräder auskommt.
Klangarchitektur und -erzeugung
Die Klangarchitektur des Multi/Poly ist umfangreich und bietet zahlreiche Möglichkeiten zur Verschaltung und Modulation. In ihrem Grundgedanken erinnert sie an die flexible Arbeitsweise modularer Synthesizer, ohne dass dafür ein klassisches modulares System erforderlich wäre.
Eine Stimme kann aus bis zu vier Oszillatoren, einer Rauschquelle, einem Ringmodulator, zwei seriell oder parallel geschalteten Filtern, einem VCA und einer Drive-Einheit bestehen. Zur Klanggestaltung stehen außerdem bis zu vier Hüllkurven, fünf frei einstellbare Modulationsquellen beziehungsweise LFOs und weitere Modulationsmöglichkeiten zur Verfügung. Diese Elemente bilden einen sogenannten Layer. Davon lassen sich bis zu vier parallel einsetzen und miteinander kombinieren.
Klanglich bietet der Multi/Poly verschiedene Oszillatortypen, darunter typische wie Sägezahn und Rechteck, Waveshaping sowie Wavetable-Synthese, womit er im Fahrwasser eines Modwave unterwegs ist. Damit können beispielsweise bewegte, sich kontinuierlich verändernde Klangfarben entstehen, die über einen klassischen statischen Oszillatorklang hinausgehen.
Eine Besonderheit, die an den Mono/Poly angelehnt ist, ist die Möglichkeit, beim Spielen aufeinanderfolgende Noten verschiedenen Layern zuzuweisen. Dadurch lassen sich unterschiedliche Klangfarben miteinander kombinieren und rhythmisch oder melodisch abwechseln.

Filter und Effekte
Auch die Filtersektion ist vielseitig ausgestattet. Sie umfasst unter anderem Filtermodelle, die sich an den Korg-Klassikern MS-20 und Mono/Poly sowie am Sequential Circuits Prophet-5 und Moogs Ladder-Filter orientieren. Damit stehen unterschiedliche Filtercharaktere für die Klanggestaltung zur Verfügung. Je nach Einstellung lassen sich beispielsweise helle, prägnante Klänge formen oder Obertöne reduzieren, um einen weicheren und dunkleren Sound zu erzeugen.
Die Effektsektion bietet verschiedene Delay- und Reverb-Typen, die detailliert eingestellt und jedem Layer separat zugeordnet werden können. So lassen sich einzelne Klangschichten gezielt im Stereopanorama platzieren und zu komplexen Klanggebilden verbinden.
Korg Multi/Poly Test: Praxis
Für den Test habe ich den Korg Multi/Poly über mehrere Wochen hinweg in mein Homestudio integriert und via MIDI-Keyboard angesteuert. Um einen ersten Eindruck von seinen klanglichen Möglichkeiten zu gewinnen, habe ich zunächst die zahlreichen Presets ausprobiert. Diese decken unter anderem Bässe, Leads, Keyboardklänge und Plucks ab.
Verarbeitung und Bedienung
Die Verarbeitungsqualität des Synthesizers ist sehr hoch, wie man es von dieser Korg-Serie gewohnt ist. Trotz seines geringen Gewichts wirkt das Gerät robust. Die Knöpfe und Regler haben eine angenehme Größe, sind ausreichend voneinander entfernt, wackeln nicht und fühlen sich wertig an. Lediglich das Display hätte eine höhere Auflösung vertragen können. Es ist dennoch gut lesbar. Positiv fällt zudem auf, dass die Modul-Version mit Rackohren ausgestattet ist. Das ist bei vielen Herstellern noch immer nicht selbstverständlich.

Aufgrund der komplexen Architektur, der zahlreichen, nur schwach beleuchteten Bedienelemente, der mehrfach belegten Knöpfe und des umfangreichen Menüs wirkt der Multi/Poly zu Beginn etwas unübersichtlich. Hat man sich jedoch mit dem Bedienpanel vertraut gemacht und die ersten Presets ausprobiert, lädt das Instrument schnell zum Experimentieren ein.
Für den Einsatz auf einer dunklen Bühne ist die Bedienoberfläche weniger geeignet; in einer gut beleuchteten Studioumgebung lässt sich deutlich angenehmer damit arbeiten.
Eigenes Sounddesign mit dem Multi/Poly
Der multitimbrale Klang des Synthesizers ist beeindruckend, beinahe überwältigend. Durch die Kombination der vier Layer lassen sich sehr detailreiche Sounds erzeugen, die anhand zahlreicher Parameter fein abgestimmt werden können. Darin liegt für mich die große Stärke des Multi/Poly: Es entsteht eine Klangdichte, die ich am ehesten als cineastisch bezeichnen würde.
Ein wesentlicher Anteil daran geht auf die umfangreiche Filtersektion zurück. Sie deckt ein breites Spektrum an Gestaltungsmöglichkeiten ab: von dezenten Vintage-Sounds über kräftige Bässe bis hin zu aggressiven Noise-Leads. Dass sich neben den Korg-eigenen Filtertypen auch klassische Filtermodelle nutzen lassen, erweitert die Möglichkeiten im Sounddesign erheblich. In Verbindung mit den vier Layern können unterschiedliche Klangcharaktere miteinander verschmelzen und zu komplexen Sounds kombiniert werden.
Features
- Virtuell-analoge Klangerzeugung mit modernem Analog Modeling
- Kompaktes 19″-Rack-Format
- MIDI 2.0 Unterstützung
- 4 Oszillatoren
- Verschiedene Filter, die legendären Synthesizern nachempfunden sind
- Dual-Filter
- Bis zu 4 Sound-Layer
- 16 Step-Sequenzer
- Kaoss-Physics-Pad
- Abmessungen (B x T x H): 483 mm x 172 mm x 107 mm
Trotz der großen Zahl an Parametern lässt sich mit dem Multi/Poly produktiv arbeiten. Auch ohne sich zunächst tief in die gesamte Architektur einzuarbeiten, lassen sich abseits der Presets schnell überzeugende Klänge kreieren. Wer jedoch die letzten Feinheiten aus einem Sound herausholen möchte, kann sich leicht in den zahlreichen Einstellmöglichkeiten verlieren. Der Synthesizer bietet hier einen großen kreativen Spielraum, verlangt für seine vollständige Erschließung aber auch Geduld.
Der auf der Korg-Website kostenlos erhältliche Software-Editor ermöglicht es, Presets am Rechner zu verwalten oder zu erstellen. Das erleichtert die Organisation eigener Sounds. Darüber hinaus lassen sich über den Editor eigene Wavetable-Dateien in das Instrument laden, was die klangliche Flexibilität nochmal erweitert.
Der Random-Knopf: Inspiration oder Spielerei?
Abschließend möchte ich noch auf den Zufallsgenerator eingehen, der mir skurril erschien. Ein dedizierter Random-Knopf verändert die Parameter des Synthesizers zufällig und erzeugt damit einen völlig neuen Sound – wie man das erwarten würde. Aber alles dem reinen Zufall zu überlassen, endet häufig in beliebigen Ergebnissen, die nicht immer unmittelbar musikalisch nutzbar sind. Zwar kann die Funktion als Ausgangspunkt für neue Ideen dienen, doch ebenso oft entstehen Sounds, die eher wie Spielerei wirken oder aufgrund ungünstiger Einstellungen, etwa stark geschlossener Filter, kaum hörbar sind.
Die Stärken des Multi/Poly werden durch diese Funktion nur bedingt sichtbar. Gerade bei einem Synthesizer, dessen Reiz in der gezielten Gestaltung komplexer Klänge liegt, ist der praktische Nutzen dieses Zufallsgenerators sehr begrenzt. Als gelegentliche Inspirationsquelle kann er dennoch interessant sein.

Korg Multi/Poly Test: Fazit
Synthesizer-Fans werden sich dies kaum vorstellen können: möchte man im Studio nur einen einzigen Synth einsetzen, findet man im Korg Multi/Poly einen vielseitigen Allrounder. Seine digitale Analog-Modeling-Engine, die vier kombinierbaren Layer, die umfangreichen Modulationsmöglichkeiten und die vielseitige Filtersektion eröffnen ein breites klangliches Spektrum. Von klassischen Synthesizerklängen bis hin zu komplexen, cineastischen Klanglandschaften ist vieles möglich und haben im Test beeindruckt. Dementsprechend ist das Instrument auch als Ergänzung zu einem bestehenden Setup ist er interessant.
Die Presets klingen gut und können schnell und einfach bei Bedarf angepasst werden. Wer tiefer in Sounddesign eintauchen möchte, kann die detailreiche und ausgefeilte Klangarchitektur erforschen und sich nicht zuletzt aufgrund der Importmöglichkeiten eigener Wavetables via Editor austoben – dafür ist allerdings auch eine längere Einarbeitungszeit erforderlich.
Die Bedienung des Korg Multi/Poly ist stellenweise umständlich und gerade die nur schwach beleuchteten Bedienelemente sind in schlecht beleuchteten Umgebungen schwer zu sehen. Hat man sich jedoch mit der Oberfläche vertraut gemacht, findet man sich gut zu recht.
Der Straßenpreis von etwa 800 Euro erscheint angesichts der klanglichen und funktionalen Möglichkeiten angemessen. Wer einen kompakten, leistungsfähigen Synthesizer mit digitaler Analog-Modellierung und viel Raum für kreative Klanggestaltung sucht, sollte den Korg Multi/Poly auf jeden Fall ausprobieren.
Verfügbar ab: sofort
Preis (UVP): 949 Euro
Weitere Infos: Korg
Wolfgang Merx aka Mr. X ist Musiker, der sich auf Kosmische Musik spezialisiert hat. Auf seinem Twitch-Kanal gibt er regelmäßig virtuelle Live-Konzerte. Außerdem ist er Mitorganisator von Open Signals – einer Veranstaltung für elektronische Musik mit Performances und Workshops.
Fotos: Hersteller, Autor
