GPU Audio: Löst GPU-Processing DSP-Systeme ab?

GPU Audio verfolgt einen neuen und spannenden Ansatz im Bereich Audio-Processing und Plug-in-Performance: Wie der Name bereits andeutet, soll die Rechenleistung, die Plug-ins benötigen, nicht mehr von der CPU eines Computers oder einer DSP, sondern von der GPU bereitgestellt werden …

GPU Audio wurde 2015 in Freiburg in der Schweiz gegründet und ist quasi ein Projekt der Firma Braingines SA. Es wurde sogar eine eigene Tochterfirma Namens GPU Audio Inc in den USA etabliert. Die Gründer lernten sich bereits 2011 kennen. Mittlerweile arbeitet ein internationales Team daran, die Rechenleistung der GPU für Audio-Plug-ins zugänglich zu machen – und damit die Audiowelt vielleicht sogar in ein neues Zeitalter zu heben.

Was ist eine GPU?


GPU steht für Graphics Processing Unit, zu Deutsch: Grafikprozessor. Grafikprozessoren beziehungsweise Grafikkarten finden sich in jedem Computer. Sie sind in erster Linie dafür zuständig, ein Bild auszuspielen. Eine GPU entlastet somit automatisch den Prozessor (CPU) eines Computers. Natürlich wird auch im Bereich der GPU geforscht und man erkannte, dass eine GPU auch anderen Aufgaben zugeteilt werden kann. Denn die GPU bietet gegenüber der CPU einen entscheidenden Vorteil: sie arbeitet, genau wie DSPs, parallel. CPUs arbeiten in der Regel seriell.
Stark vereinfacht gesagt würde das Signal Processing einer GPU dem eines DSPs gleichen und letzteres somit obsolet machen – eines der Argumente, mit denen GPU Audio lockt.

GPU Audio


Genau genommen versteht sich GPU Audio laut Website als „Digital Sound Processing platform“. Diese soll handelsübliche GPUs für die Verarbeitung von Audiosignalen freischalten – DSP für alle sozusagen.
Aktuell werden nur NVidia-Grafikkarten unterstützt. AMD-Grafikkarten werden ab Mai 2022 unterstützt.

Latenzfrei?


GPU Audio verspricht latenzfreies Arbeiten. Die Engine soll mit einer Buffer-Größe von 150 Mikrosekunden problemlos laufen. Eine extrem geringe Latenzzeit für Round-Trip und Processing, die sogar auf 30 Mikrosekunden minimiert werden kann. Natürlich hängt die Buffer-Größe und Latenz von der Anzahl der Plug-in-Instanzen ab. GPU Audio verspricht aber, dass eine Latenzzeit von 1ms nicht überschritten wird – und diese auch nur für sehr große, leistungsintensive Projekte nötig sei.

Features:

  • VST-3- und custom-software-Unterstützung (bei Letzterem bin ich mir nicht sicher, was damit gemeint ist)
  • Parallel-Processing auch mit mehreren Grafikprozessoren/Grafikkarten
  • Standart-Buffer von 1ms für VST 3, unabhängig der Anzahl an Instanzen
  • Buffer von 150 Mikrosekunden für custom software

GPU Audio befindet sich aktuell noch in der Alpha-Testphase. Vorrausichtlich beginnt Ende Juni die offene Beta-Phase, bei der jeder die Chance hat, die laut Hersteller „erste GPU-powered DSP-Plug-in-Production-Suite der Welt“ auszuprobieren. Registrieren dafür kann man sich bereits auf der Website.

Abschluss


Die Idee hinter GPU Audio ist auf jeden Fall spannend. Gerade Bedroom-Producer und kleinere Studios, die sich kein DSP-System leisten können, könnten von dieser Entwicklung profitieren. Davon abgesehen sind die extrem geringen Latenzen wirklich beeindruckend. Ob und wie gut GPU Audio in der Praxis funktioniert, wird sich zeigen.

Weitere Infos: GPU Audio

Foto: Hersteller

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