Audio-Kompressoren: Was sie sind, welche es gibt & was sie tun

Es ist unerlässlich, Kompression für ein ausgewogenes Audiosignal anzuwenden, egal ob für Musik, Filmton oder Sprache. Doch ein Audio-Kompressor muss nicht strikt nur zur Dynamikkontrolle eingesetzt werden, sondern kann auch den Klang färben oder einen Effekt kreieren.

Welche Kompressoren es gibt, welche Parameter sie bieten und wie sie eingesetzt werden, habe ich in diesem Artikel zusammengefasst.

Kompressor auf einem Mischpult

Audio-Kompressor: Parameter

Bevor wir auf die verschiedenen Arten von Audio-Kompressoren eingehen, werfen wir einen Blick auf deren Einstellungsmöglichkeiten. Es ist wichtig zu verstehen, was die Parameter bewirken, denn deren Verhalten variiert von einer Kompressor-Art zur anderen.

  • Threshold: Schwellenwert. Dieser definiert, ab welchem Dezibelwert der Kompressor reagiert. Signalanteile unterhalb dieser Schwelle passieren ohne Bearbeitung.
  • Attack: Einschwingzeit. Die Attack beschreibt die Zeit die der Kompressor braucht, um zu arbeiten. Eine Attack-Zeit von beispielsweise 20 ms bedeutet, dass der Kompressor erst 20 ms nach Signaleingang einsetzt.
  • Release: Ausschwingzeit. Die Release gibt an, wie lange es dauert, bis der Kompressor wieder aufhört zu arbeiten.
  • Ratio: Kompressionsverhältnis. Mit der Ratio wird die Stärke der Kompression eingestellt. Typischerweise im „zu-eins“-Format: 2:1, 4:1, … Bei einer Ratio von 10:1 oder höher spricht man von „Limiting„.
  • Knee: Kompressionskurve. Das Knee kann man sich ähnlich wie einen Wet/Dry-Regler vorstellen. Es bestimmt den Übergang in die Kompression. Ein soft knee sorgt für einen sanften Übergang. Ein hard knee für eine schnell einsetzende, meist hart klingende Kompression.

Einige Audio-Kompressoren, vor allem im Plug-in-Bereich, bieten zusätzliche Parameter. Die geläufigsten sind wohl Drehregler für In- und Output. Aber auch Filter, Saturation-Regler oder andere Einstellungen für die Klangfärbung sind manchmal vorhanden. Ein gutes Beispiel dafür ist der Black Rooster Audio VLA-2A Mark II.

Black Rooster Audio KH-Comp1
Der KH-Comp1 von Black Rooster Audio geht über die traditionellen Einstellungsmöglichkeiten hinaus.

Welche Arten von Audio-Kompressoren gibt es?

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen vier verschiedenen Arten von Audio-Kompressoren: VCA, FET, Opto und Tube. Sehen wir uns das mal genauer an…

VCA-Kompressoren

VCA steht für „Voltage Controlled Amplifier“. Dieser Kompressor wird als durch Spannung gesteuert. Die Verstärkung (Amplification) wird von der Steuerspannung vorgegeben und ist daher abhängig vom Eingangssignal. VCA-Kompressoren erlauben meist das Einstellen von Attack- und Release-Zeiten, die auch durchaus sehr kurz gewählt werden können. Als Beispiel sei der Red-3-Kompressor von Focusrite genannt, dessen Release-Zeit auf extrem kurze 0,1 ms eingestellt werden kann.

Weitere bekannte Vertreter von VCAs sind der DBX 160, Vertigo Sound VSC-3, Empirical Labs Distressor sowie der SSL G-Series Bus Comp.

Vertigo Sound VSC-3
Der Vertigo Sound VSC-3.

VCA-Kompressor: Anwendung

Durch ihre hohe Flexibilität und Präzision eignen sich VCA-Kompressoren für jegliches Audiomaterial. Sowohl perkussive Klänge und Transienten als auch die Dynamik im Allgemeinen lassen sich gut mit dieser Art Kompressor kontrollieren. Zudem gibt es eine große Bandbreite an VCA-Kompressoren auf dem Markt, die nicht alle neutral klingen, sondern durchaus auch klangfärbende Eigenschaften mit sich bringen.

FET-Kompressoren

FET steht für „Feldeffekttransistor“. FET-Kompressoren könnte man als Weiterentwicklung von Röhrenkompressoren ansehen: Sie färben den Klang bei der Bearbeitung, agieren allerdings nicht so träge wie Röhrenkompressoren. Im Gegenteil, es sind sogar extrem kurze Attack-Zeiten möglich. FETs reagieren übrigens auf das gesamte elektrische Eingangssignal und nicht, wie VCA-Kompressoren, nur auf Spannung.

Zu den bekanntesten FET-Kompressoren gehören der Urei/Universal Audio 1176, Lindell 7X-500, Drawmer 1973 und der Softube FET-Comp.

Drawmer 1973
Vorder- und Rückseite eines absoluten Studio-Klassikers: Drawmer 1973.

FET-Kompressor: Anwendung

FET-Kompressoren sind für eine starke, färbende Kompression bekannt, die oft auch als aggressiv beschrieben wird. Diese Eigenschaften wiederum werden mit „Punch“ in Verbindung gebracht. Daher eignen sich FETs auf Signalen, die sich im Mix durchsetzen sollen. Ein klassisches Beispiel hierfür ist die Snaredrum. Aber auch auf Bässen oder als Parallel-Kompressor kann ein FET gute Dienste leisten.

„Je heller das Licht, desto höher der Wiederstand.“

Opto-Kompressoren

Opto-Kompressoren verfolgen einen völlig anderen Ansatz, als die beiden oben genannten Kompressor-Arten. Im Inneren von optischen Kompressoren steuert die Stärke des anliegenden Signals die Helligkeit einer Glühbirne oder eines anderen Leuchtmittels. Die Lichtquelle wiederum beeinflusst einen lichtempfindlichen Wiederstand. Je heller das Licht, desto höher der Wiederstand. Je höher der Wiederstand, desto stärker die Kompression.

Zu den nennenswerten Vertretern von Opto-Kompressoren gehören unter anderem der Teletronix LA-2A, Tone Empire Opto Red, Brainworx Millennia und der Tube-Tech CL 2A.

Teletronix LA-2A
Der Teletronix LA-2A.

Opto-Kompressor: Anwendung

Opto-Kompressoren wird ein weicher, neutraler Klang nachgesagt, der auch bei höheren Pegeln verzerrungsarm bleibt. Daher eignen sich Optos beispielsweise für den Einsatz auf Vocals und Bässen.

Tube-Kompressoren

Tube- beziehungsweise Röhrenkompressoren wurden ursprünglich für Broadcasting entwickelt. Entsprechend wurde von ihnen verlangt, Audiosignale auf einem konstanten, gleichmäßigen Level zu halten. Aber warum dann auf Röhren setzen? Dienen Röhren in erster Linie nicht der Klangfärbung?

Nun ja, das tun sie durchaus auch. Allerdings gilt es zu bedenken, dass Tube-Kompressoren Mitte des 20. Jahrhunderts entwickelt wurden und die technischen Möglichkeiten damals wesentlich beschränkter waren.

Röhrenkompressoren arbeiten nicht linear, sodass die Verstärkung einer Röhre in Abhängigkeit zur Eingangsquelle steht. Außerdem steigt die Ratio der Kompression mit dem Anstieg des Eingangssignals, was für eine Levelierung der Lautstärke sorgt. Genau der Effekt, den man sich für Rundfunk gewünscht hat!

Bekannte Vertreter von Tube-Kompressoren sind der Universal Audio Fairchild 670, Tegeler Audio VTC und der Kush Audio AR-1.

Tegeler Audio VTC-2
Der VTC der Berliner Manufaktur Tegeler Audio.

Tube-Kompressor: Anwendung

Röhrenkompressoren haben langsame Regelzeiten und eignen sich daher nicht für perkussive Klänge oder zum herausarbeiten von Transienten. Die Stärken von Röhren liegen eher, wie oben erwähnt, in der Levelierung. Daher eignet sich diese Art Kompressor für Summen beziehungsweise Busse und kann den beliebten „glue“ verleihen. Außerdem haben Tube-Kompressoren klangfärbende Eigenschaften und können einen fetten, warmen, analogen Sound erzeugen.

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Kush Audio AR-1
Der AR-1-Plug-in-Kompressor von Kush Audio.

Special: Mastering-Kompressoren

Was unterscheidet einen Mastering-Kompressor von anderen Audio-Kompressoren? Beim Mastern geht es darum, einen einheitlichen Mix mit einem homogenen Klangbild zu bekommen. Die Dynamik soll gezügelt und der Mix verdichtet werden, allerdings ohne Transienten zu unterdrücken.

Eine Pauschalantwort, was einen Mastering-Kompressor ausmacht, gibt es meiner Meinung nach nicht. Er sollte sehr flexibel sein und auch schnelle Attack-Zeiten bieten. Vielleicht sogar den Klang leicht färben, wobei dies natürlich Geschmackssache ist und vom Ausgangsmaterial abhängt.
Kurz gesagt: Ein Mastering-Kompressor ist eine gelungene Mischung aus den oben genannten Kompressor-Arten.

Bekannte Mastering-Kompressoren: Shadow Hills Mastering Comp, PSP Master Comp, UAD Manley Vari-Mu, Leapwing Audio Dyn One.

Shadow Hills Class A Mastering Compressor Plug-in by Brainworx
Die Emulation des Shadow Hills Mastering Compressors von Brainworx.

Audio-Kompressor: Kompressionstechniken

Parallel-Kompression

Bei der Parallel-Kompression, auch New York Compression genannt, wird das Ursprungssignal dupliziert (oder als Send in einen freien Kanal geschickt). Das Duplikat kann stärker bearbeitet werden, zum Beispiel im Hinblick auf Punch oder Durchsetzungskraft. Das duplizierte Signal wird anschließend dem Originalsignal beigemischt.

Parallel-Kompression hilft dabei, die Dynamik der originalen Klangquelle beizubehalten. Drums kann somit beispielsweise mehr Punch und Härte verliehen werden. Vocals können kräftiger und durchsetzungsfähiger (aka „in your face“) klingen. Einem Bass kann durch einen färbenden Audio-Kompressor eine Klangfarbe beigemischt werden…

Sidechaining

Sidechaining beschreibt einen externen Signaleingang, der dem Originalsignal zugeführt wird. Diese Technik wird häufig in elektronischer Musik wie EDM, Dubstep und Trap eingesetzt. Die Sidechain beeinflusst die Bearbeitung beziehungsweise Kompression des Originalsignals. Oftmals wird Sidechaining quasi als „Ducking“-Effekt genutzt.

Ein klassisches Beispiel hierfür ist das Zusammenspiel von Kickdrum und Bass. Damit die Kickdrum trotzdem hörbar und durchsetzungsfähig bleibt, wird sie per Sidechain dem Bass zugeführt. Durch entsprechende Einstellungen im Audio-Kompressor sollte der Bass immer dann kurz leiser werden, wenn die Kickdrum spielt. Man könnte aber auch den Bass durch Backing Vocals und die Kickdrum durch Main Vocals ersetzen, damit letztere präsent und verständlich bleiben.

Audio-Kompressoren Kollage

Abschluss

Ich hoffe, mit diesem Artikel eine fundierte Grundlage über Audio-Kompressoren geben zu können. Um die passende Einstellung für einen Audio-Kompressor zu finden, bedarf es einiger Erfahrung. Nichtsdestrotrotz macht auch hier Übung den Meister.

Es ist mir abschließend wichtig, nochmal zu erwähnen, dass ein Audio-Kompressor auch als Kreativwerkzeug eingesetzt werden kann – und durchaus soll. Gerade die Parallel-Kompression bietet Spielraum für Experimente.

Doch bei all der funkensprühenden Kreativität sollte immer die Dynamik des Signals im Auge behalten werden. Ein „totkomprimiertes“ Signal wird keine Freude beim Hören bereiten.

Fotos: Screenshots/Hersteller

Venomode Maximal 3: 3-in-1-Limiter für Musik, Broadcast & Co

Maximal 3 heißt der neue Limiter aus dem Haue Venomode. Doch Maximal 3 ist nicht nur ein herkömmlicher Limiter, sondern hat zudem eine Clipper- und eine Metering-Sektion an Bord.

Der Limiter/Maximiser in Venomode Maximal 3 ist ein true peak Brickwall-Limiter mit regelbarer Lookahead-Funktion. Zudem stehen vier verschiedene Limiter-Modi sowie Attack- und Release-Regler zur Verfügung.

Das Meter zeigt in Echtzeit LUFS (Loudness Units Full Scale) und true peak an. Die Standardeinstellung des Meters von Venomode Maximal 3 zeigt den ITU-Standard an. Die Target Loudness kann aber auch für andere Normen manuell auf einen beliebigen Wert gesetzt werden.

Mit dem Clipper, dessen Kurve von hard bis soft justiert werden kann, sowie dem bis zu 16-fachen linear-phase-Oversampling sind zwei Mittel für die Klangfärbung vorhanden.

Venomode Maximal 3 läuft unter Windows, Mac-OS und Ubuntu. Die Formate VST 2, VST 3, AU und AAX werden unterstützt.

Verfügbar ab: sofort
Preis (UVP): 35 GBP Einführungspreis; regulär 49 GBP
Weitere Infos: Venomode Maximal 3

Voxengo Elephant: Neuer Algorithmus und Noise Generator

Voxengo hat den Mastering Limiter „Elephant“ auf Version 5.0 aktualisiert. Der neue EL-5-Algorithmus soll nicht so laut und hart klingen wie der Vorgänger EL-4, aber präziser agieren als AIGC-Algorithmen.

Des Weiteren wurde der Noise Generator von Voxengo Elephant auf die neueste PRVHash-Version 4.3 aktualisiert, die mitunter für das Dithering zuständig ist. Außerdem speichert Elephant 5.0 den Status der Solo-Taste nun in Presets ab.

Voxengo Elephant 5.0 läuft unter Windows und Mac-OS als VST, VST 3, AU und AAX.

Verfügbar ab: sofort
Preis (UVP): 84,44 USD Einführungspreis; regulär 119,95 USD
Weitere Infos: Voxengo Elephant

Black Rooster Audio VLA-2A Mark II: Legendärer Kompressor in neuem Glanz

Die deutsche Plug-in-Schmiede Black Rooster Audio hat der hauseigenen Emulation des Teletronix/Universal Audio LA-2A ein Update spendiert. Der Black Rooster Audio VLA-2A Mark II bietet nun unter anderem jeweils einen Drehregler zum Einstellen von Emphasis, Make-Up-Gain und Dry/Wet. Zudem kann via Cell-Sel zwischen drei verschiedenen Opto-Zellen ausgewählt werden:
– A: Soft knee/Low ratio
– B: Soft knee/Higher ratio
– C: Hard knee/Higher Ratio

Für Besitzer des Vorgängers VLA-2A Mark I ist das Upgrade auf Mark II kostenlos.

Black Rooster Audio VLA-2A Mark II läuft unter Windows und Mac-OS. Die Formate VST, VST 3, AU und AAX werden unterstützt.

Verfügbar ab: sofort
Preis (UVP): 119 Euro
Weitere Infos: Black Rooster Audio VLA-2A

Foto: Hersteller