Denise Audio Bad Tape 2 Test: Next-Level-Tape

Bad Tape 2 ist die neue, “schlechtere” Version der virtuellen Bandmaschine von Denise Audio. Welche Upgrades das neue Plug-in bekommen hat und wie übel die ganze Sache tatsächlich ist, habe ich im Test herausgefunden.

„Wie schlecht kann es sein?“ – Diese Frage stellt Denise Audio auf der Produktseite von Bad Tape 2. Eine gute Frage. Bekanntlich kommt es immer dann schlimmer, wenn man denkt, dass es nicht mehr schlimmer werden kann. Doch bekanntlich kann etwas auch soooo schlecht sein, dass es schon wieder gut ist.

Man muss nicht allzu lange über diese Frage grübeln. Im anschließenden Text erklären die Entwickler, dass Bad Tape 2 neue Effekte und Funktionen bietet, mit denen man „… die Verschandelung seines eigenen Songs formen kann“.

Eine ungewöhnliche Marketing-Strategie, um das eigene Produkt anzupreisen. Auch wenn es offensichtlich scheint, dass das Plug-in nicht soooo schlecht sein kann, macht es doch neugierig…

Features

  • Detune mit Tapestop
  • Sidechains
  • Push-Pull
  • 4 integrierte Effekte
  • Für Windows und Mac-OS, VST, VST 3, AAX & AU
Denise Audio Bad Tape 2 Detune
Neu hinzugekommen: Die Detune-Sektion mit Tapestop.

Denise Audio Bad Tape 2 Test: Übersicht

Die Nutzeroberfläche präsentiert sich im Denise-Audio-üblichen Look. Die obere Hälfte ziert ein parametrischer Equalizer mit integriertem Analyzer. Die Parameter werden bei einem Klick auf eines der sechs Bänder direkt über der visuellen Darstellung angezeigt. Zudem lassen sich hier Filtertyp (Lowpass, Lowshelf, Peak, Highshelf, Highpass) und Pull-Stärke einstellen. Jedes Band kann soliert oder  in bypass geschaltet werden.

In der Mitte des Plug-ins sind die verschiedenen Effekte und Funktionen der virtuellen Bandmaschine:

  • Harm (Bit-Crusher)
  • Wow (smooth Detune)
  • Shake (harsh Detune)
  • Hiss (Hiss/Rauschen)
  • Squeal (hochfrequentes Rauschen)
  • Doubler (Tape-Delay)
  • Detune (Tape-slowdown/-stop mit eigener Sidechain)
  • Magnet (emuliert ein entmagnetisiertes Band)
  • Resonator (einstellbar pro Band)
  • Phaser
  • Sidechain
  • Oversampling (1x, 2x, 4x, 8x)

Die untere Fensterhälfte ist für die Parameter der Effekte und Funktionen reserviert. Verschiedene Einstellungsmöglichkeiten werden, abhängig von der Auswahl, eingeblendet. Außerdem werden in dieser Sektion die globalen Einstellungen angezeigt. Diese sind für Bad Tape 2 Input, Mix, Output, Color, Saturation, Pull und Speed.

>>> Soundevice Digital/United Plugins TrapTune Test: Multi-Effekt für Vocals <<<

Signature-Feature: Push-Pull

Ein Alleinstellungsmerkmal von Denise-Audio-Plug-ins ist Push-Pull. Anhand des Equalizers können beliebige Frequenzbereiche stärker von Bad Tape 2 beeinflusst werden, als andere. Über das oben genannte Pull (pro Band und global) wird eingestellt, wie stark die Frequenzbereiche nach der „Behandlung“ wieder heruntergezogen werden.

Denise Audio Bad Tape 2 Test Sidechain
Die Sidechain eröffnet neue Kreativmöglichkeiten.

Denise Audio Bad Tape 2 Test: Praxis

Das virtuelle Band lässt sich intuitiv bedienen. Die Steuerung von Einstellungen ist selbsterklärend und geht schnell von der Hand. Im Denise Audio Bad Tape 2 Test habe ich Drums, Keys, Synth-Leads, Vocals und Percussions veredelt – beziehungsweise zerstört.

Die Tape-typischen Parameter funktionieren wie sie sollen und klingen gut. Es stellt sich mir allerdings die Frage, warum Hiss und Squeal an Bord sind. Sicherlich sind das Artefakte, die bei einem Band auftreten. Allerdings finde ich wenig Verwendung dafür. Fairerweise muss ich dazu sagen, dass diese Funktionen einen guten Beitrag leisten, Bad Tape 2 „bad“ klingen zu lassen. In Anbetracht des Kreativansatzes des Plug-ins hätte man diese Features aber vielleicht auch durch andere, eher brauchbare, ersetzten können.

Raum für Experimente

Apropos Kreativität: Dass sich einzelne Funktionen separat voneinander via Sidechain triggern lassen, ist wirklich große Klasse! Ohne langwieriges Setup und mehreren Plug-in-Instanzen können spielend leicht abgefahrene Effekte kreiert werden.

Die eigene Sidechain für Detune/Tapestop ist glücklicherweise separat. Das Verhalten des Tapestops kann detailliert eingestellt und dem Song angepasst werden – hervorragend mitgedacht, Denise Audio!

Auch wenn es auf den ersten Blick nicht unbedingt so scheint, lässt sich der Klang durch die vielen verschiedenen Einstellungsmöglichkeiten sehr spezifisch formen. Zum Beispiel durch die Möglichkeit, die Resonanz für jedes Band separat zu definieren. Und natürlich auch durch das Push-Pull-Feature, das mich jedes Mal aufs Neue begeistert.

Bandmaschine

Denise Audio Bad Tape 2 Test: Fazit

Der kreative Gedanke hinter Bad Tape 2 gefällt mir gut. Ich war anfangs zugegeben etwas skeptisch, da der Markt an Tape-Emulationen gesättigt, wenn nicht sogar übersättigt, ist. Aber genau das ist es eben, worauf sich Bad Tape 2 nicht beschränkt. Neben der klassischen Bandsättigung kann man mit dem Plug-in so viel mehr anstellen und sich in sounddesignerische Gefilde begeben. Vor allem die Sidechain-Funktionen haben mich begeistert und zu neuen Experimenten angeregt – die mal gut, mal weniger gut ausgingen.

Wer auf der Suche nach einem Band mit einem gewissen Twist ist und nicht nur analoge Sättigung auf digitaler Ebene möchte, wird mit Denise Audio Bad Tape 2 sicherlich seinen Spaß haben.

Verfügbar ab: sofort
Preis (UVP): 46,41 Euro Einführungspreis; regulär 70,21 Euro
Weitere Infos: Denise Audio

Pros

  • Handhabung
  • Kreativansatz
  • Sidechains
  • Push-Pull

Cons

  • Keine

Fotos: Ingo Schulz, Eigene

Baby Audio IHNY-2 Test: Haut Dich um!

Vor drei Jahren gingen Baby Audio mit dem I-Heart-NY-Kompressor an den Markt. Zum diesjährigen Geburtstag lässt der Hersteller das Plug-in wieder aufleben: überarbeitetes Design, neue Funktionen, mehr Punch – was Version 2 alles kann, zeigt der Baby Audio IHNY-2 Test.

Drei Jahre Baby Audio! Die kleine aber feine Plug-in-Schmiede hat es geschafft, sich mit hochwertigen und kreativen Tools bei Audioschaffenden zu etablieren. Ich durfte die Entwicklung von Baby Audio seit deren erster Veröffentlichung, dem I-Heart-NY-Kompressor, medial begleiten.

Nach wie vor freue ich mich über neue Produkte des Herstellers. Das Team rund um Gründer Caspar Bock schafft es auf beeindruckende Weise, kreative Effekte unter einer ansprechenden Oberfläche mit simpler Handhabung zu verstecken.

Genauso gespannt war ich, als Baby Audio im August ein neues Plug-in zum dreijährigen Geburtstag angeteasert hatte. Das musste ja wohl etwas Besonderes sein! Und genau das ist es auch! Zugegeben: Ich hatte eine Emulation des Synthesizers erwartet, den Baby Audio vor zirka zwei Jahren gekauft hatten. Doch mit IHNY-2 eine Neuauflage des allerersten hauseigenen Plug-ins zu bringen, ist auch ein absoluter Hammer – und schürt hohe Erwartungen! Sehen wir doch mal, was der neue Parallel-Kompressor alles kann…

Features:

  • Internes Signal-Splitting für Parallel-Kompression
  • Vielseitige Einstellungsmöglichkeiten
  • Solo-Modus zum Abhören des Wet-Signals
  • Für Windows & Mac-OS, VST, VST 3, AU & AAX
Baby Audio I Heart NY vs IHNY-2
Es hat sich einiges getan: Links der Baby Audio I-Heart-NY-Kompressor und rechts der neue IHNY-2.

Baby Audio IHNY-2 Test: Übersicht

Die Nutzeroberfläche von IHNY-2 ist gewohnt simpel gehalten. Mittelpunkt ist ein XY-Pad. Anhand dessen werden das Dry-Wet-Verhältnis auf der X-Achse und die Stärke der Kompression auf der Y-Achse eingestellt. Die „Sonne“, die auf den Bildern in der Mitte des XY-Pads zu sehen ist, visualisiert das eingehende Signal.

>>> Audio-Kompressoren: Was sie sind, welche es gibt & was sie tun <<<

Am unteren Fensterrand gibt es Slider für Autogain und Output. Ersterer ist durchaus ungewöhnlich, denn der Sinn von Autogain ist bekanntlich, dass Lautstärkeunterschiede automatisch ausgeglichen werden. Nur dann ist ein objektiver Vergleich zum unbearbeiteten Signal möglich. Das passiert auch beim IHNY-2. Laut dem Manual ist der Autogain-Slider quasi ein Plan B, sollte der integrierte Algorithmus doch einmal ein zu leises oder zu lautes Signal ausgeben. Hintergrund ist, dass ein konstantes Auto-Gaining in Echtzeit passieren muss, da Bewegungen im XY-Pad sich auf die Lautstärke auswirken.

Einstellungen

Ganz unten gibt es einen Knopf, der mit „Tweak“ beschriftet ist. Ein Klick darauf öffnet die Einstellungen:

  • Attack und Release
  • Ratio
  • Punch
  • Harmonics
  • Shape („Smiley-EQ“)
  • Tilt
  • Lo- und Hi-Preserve
Baby Audio IHNY-2 Tweak
Die Tweak-Controls bieten mehr Kontrolle über das Signal.

Praxis

Für den Baby Audio IHNY-2 Test habe ich das Plug-in als Parallel-Kompressor für Drums, Bass, Keys, Vocals und den Master-Bus eingesetzt.

Der eigene Charakter des Kompressors ist sehr ausgeprägt. Beim ersten Öffnen und der Default-Wetness von 50 Prozent hört man sofort einen Unterschied. Ich würde den Klang als punchig beziehungsweise aggressiv und fett beschreiben, was mir sehr gut gefällt und natürlich optimale Eigenschaften für Parallel-Kompression sind. Entsprechend setzten sich die Signale im Test nach der Bearbeitung mit IHNY-2 auch besser im Mix durch.

Besonders gut fand ich das Plug-in auf Vocals. Durch starkes Anheben der Harmonics bekommt man einen gesättigten, komprimierten Gesang. Das entspricht genau dem aktuellen Zeitgeist und spart nicht nur zusätzliche Arbeitsschritte, sondern auch Computer-Ressourcen. Wirklich toll!

Auch auf dem Master-Bus ließ sich noch die eine oder andere Nuance herausarbeiten. Der Eingriff fiel hier natürlich wesentlich subtiler aus, als auf den Einzelspuren. Dennoch kann eine leichte Brise Sättigung oder Aggressivität manchmal Wunder bewirken.

Darüber hinaus haben Baby Audio Vintage-Presets erstellt, die beispielsweise einen Tube Leveller und einen Levelling Amplifier beinhalten. Diese bieten sich perfekt für Mix- und Master-Busse an.

Baby Audio IHNY-2 Main
Die Sonne scheint im Baby Audio IHNY-2 Test 😜

Baby Audio IHNY-2 Test: Fazit

Gegenüber seinem Vorgänger bietet IHNY-2 wesentlich mehr Einstellungsmöglichkeiten – was ich sehr begrüße. Mir gefällt aber auch, dass man nur über das XY-Pad genauso schnell eine Parallel-Kompression einstellen kann, wie beim I Heart NY. Eine gelungene Verschmelzung von alten und neuen Features!

Der Klang des Kompressors ist im Allgemeinen fett, durchsetzungsstark und definiert. Es entsteht ein Vintage-Vibe, der gerade auf Bussen einen angenehmen Glue mit sich bringt.

Der Baby Audio IHNY-2 hat durch die Upgrades ein völlig neues Level erreicht und es meiner Meinung nach damit verdient, als „Must-Have“ bezeichnet zu werden!

Einziger Kritikpunkt ist das Metering. Da es kein technisches Metering im Sinne von Input, Output und Gain-Reduction gibt, ist man gezwungen, sich auf seine Ohren zu verlassen. Im Grunde befürworte ich diesen Ansatz beziehungsweise diese Vorgehensweise auch. Dennoch wären Anzeigen für die eben genannten drei Pegel eine willkommene Hilfestellung.

Verfügbar ab: sofort
Preis (UVP): 39 USD Einführungspreis bis 30. September 2022; regulär 69 USD
Weitere Infos: Baby Audio

Pros:

  • Flexibilität
  • Eigener Klangcharakter
  • Handhabung

Cons:

  • Metering

Fotos: Hersteller, Eigene

Novation FLkey 37 Test: Horcht auf, FL-Studio-Fans!

Das Novation FLkey 37 ist ein MIDI-Controller-Keyboard, das extra für FL Studio konzipiert ist. Neben dem Einspielen von Melodien können auch diverse DAW-Funktionen und Plug-ins direkt über das Gerät gesteuert werden. Wie gut das alles funktioniert, erfährst Du im Test.

Meine Aufregung war groß, als ich das erste Mal von Novations neuem MIDI-Controller-Keyboard FLkey 37 gehört habe. Als FL-Studio-Nutzer bleibt man bezüglich Geräten in diesem Segment leider etwas auf dem Trockenen sitzen. MIDI-Controller können zwar in der Regel mit allen DAWs benutzt werden, aber es macht einen großen Unterschied, ob ein Controller für eine bestimmte Workstation ausgelegt ist – auch, weil ein lästiges, zeitaufwändiges Mapping entfällt.

Was das genau im Falle des Novation FLkey 37 bedeutet, sehen wir uns im folgendem Novation FLkey 37 Test genauer an.

Novation FLkey 37 vs FLkey Mini
Das FLkey 37 im Vergleich zum kompakteren FLkey Mini.

Novation FLkey 37 vs. FLkey Mini

FLkey wird in zwei Versionen angeboten: FLkey 37 und FLkey Mini. Letzteres ist eine kompaktere Version der 37-Tasten-Variante. Beide MIDI-Controller-Keyboards sind hier gegenüber gestellt:

GERÄTFLKEY 37FLKEY MINI
   
Tasten37, anschlagsdynamisch25, anschlagsdynamisch
Drehregler88
Pads16, anschlagsdynamisch, RGB-beleuchtet16, anschlagsdynamisch, RGB-beleuchtet
Pitchbend und ModulationRäderTouchstrips
AnschlüsseUSB-B, Sustain-Pedal (6,3 mm Klinke, MIDI Out (5-Pol)USB-B, Sustain-Pedal (6,3 mm Klinke, MIDI Out (3,5 mm Klinke)
Weitere TastenOctave Up/Down, Channel-Rack Up/Down, Play, Pause, Record, Skala, Note-Repeat, Fixed-Chord, Shift (Umschalt), Stop, Preset Up/Down, Mixer Links/Rechts, Quantisierung, Metronom, Undo, Redo, Score-Log, Navigation, SettingsOctave Up/Down, Channel-Rack Up/Down, Play, Pause, Record, Skala, Note-Repeat, Fixed-Chord, Shift (Umschalt)
DisplayBeleuchtetes LC-Display, 16 x 2 Zeichen
StromversorgungUSBNicht notwendig
LieferumfangMIDI-Controller-Keyboard, USB-KabelMIDI-Controller-Keyboard, USB-Kabel
Enthaltene SoftwareFL Studio Producer Edition (Testversion, 6 Monate), AAS Session Bundle, XLN Addictive Keys (1 von 4 Keyboards wählbar), Spitfire Audio Labs Expressive Strings, Klevgrand RoVerb, Klevgrand DAW CassetteFL Studio Producer Edition (Testversion, 6 Monate), AAS Session Bundle, XLN Addictive Keys (1 von 4 Keyboards wählbar), Spitfire Audio Labs Expressive Strings, Klevgrand RoVerb, Klevgrand DAW Cassette
Abmessungen (H x B x T)258 x 555 x 77 mm172 x 330 x 41 mm
Gewicht2,18 kg0,69 kg
Preis (UVP)229,99 €109,99 €

Novation FLkey 37 back
Die wenigen, aber ausreichenden Anschlüsse sind auf der Rückseite angebracht.

Novation FLkey 37 Test: Übersicht

Die Nutzeroberfläche des FLkey 37 ist fast genau wie die der Launchkey-Serie: übersichtlich, Controller-typisch gehalten und in zwei Hälften geteilt. In der unteren Hälfte sind, wie zu erwarten, die 37 anschlagsdynamischen Keyboardtasten.

Die obere Hälfte ist mehr die Steuereinheit. Links finden sich jeweils ein Pitch- und ein Modulationsrad. Daneben gibt es vier Knöpfe für Navigation (dargestellt als „…“), Scale sowie Octave Up (+) und Down (-).

Features:

  • FL-Studio-Steuerung
  • Einspielen via Pads oder Klaviatur
  • Integrierte Akkordhilfe
  • Automatisches Mapping für Stock-Plug-ins (Klangerzeuger) von FL-Studio

Unter dem kleinen, blau-beleuchteten LC-Display sind wiederum sechs Knöpfe für Shift, Settings, Page Links und Rechts, Fixed Chords und Note Repeat (Rate: 1/4, 1/8, 1/16, 1/32, Triole).

Die mittig angebrachten 16 RGB-beleuchteten, anschlagsdynamischen Pads werden umgeben von Tasten für Preset Up und Down sowie Channelrack Up und Down. Über den Pads gibt es acht Drehregler, neben denen sich zwei Tasten für Mixer Left und Right befinden.

Ganz rechts ist die Transport-Sektion. Neben den üblichen Play-, Pause- und Record-Knöpfen gibt es weitere Tasten für Score Log, Quantise, Metronome, Undo und Redo.

Novation FLkey 37 front
Der Blick auf das MIDI-Controller-Keyboard…

Funktionen

Viele Funktionen des Novation FLkey 37 sind selbsterklärend. Die, die es nicht unbedingt sind, sehen wir uns nun an:

Über die mit drei Punkten gekennzeichnete Navigationstaste kommt man in den Navigationsmodus. Das Display zeigt nach Drücken der Taste die Meldung „Pad Mode Navigation“. Fünf der Pads leuchten folglich blau auf, während die restlichen ausgeschaltet (inaktiv) sind.

Die leuchtenden Pads formen ein auf dem Kopf stehendes „T“, das wie die Pfeiltasten einer Computertastatur agiert. Die einzeln leuchtende Taste fungiert als Linksklick einer Maus. Damit lässt sich direkt mit dem FLKey 37 in verschiedenen Fenstern navigieren oder die Sample-Library durchstöbern.

Settings

Ein Druck auf die Settings-Taste ruft die Geräte-Einstellungen im Display auf. Navigiert und eingestellt wird mit den Preset- beziehungsweise Page-Tasten. Hier können unter anderem die Dynamikkurven von Pads und Klaviertasten, Helligkeit von Display und Pads sowie die MIDI-Kanäle von Drums, Klaviatur und Akkorden eingestellt werden.

Bildergalerie

  • Novation FLkey 37
  • Novation FLkey 37 vs FLkey Mini
  • Novation FLkey 37 side
  • Novation FLkey 37 Pad-Mode: Sequencer
  • Novation FLkey 37 back
  • Novation FLkey 37 front
  • Novation FLkey 37 Pad-Mode: Instrument

Shift

Die Shift-Taste erlaubt Zugriff auf die Zweitbelegungen der Pads. Diese sind in die zwei Modi „Pad“ und „Pot“ unterteilt:

Pad Mode:

  • Channel Rack
  • Instrument
  • Sequencer
  • Scale Chord
  • User Chord
  • Custom

Pot Mode:

  • Plugin
  • Mixer Volume
  • Mixer Pan
  • Channel Volume
  • Channel Pan
  • Custom

Je nachdem, welchem Modus Pads und Potis zugewiesen werden, greifen die verschiedenen Modi. Zum Beispiel steuern die Drehregler im Pot Mode „Mixer Volume“ die Lautstärke der Mixer-Kanäle. Ist „Sequencer“ im Pad Mode aktiv,  fungieren die Pads als 16-Step-Sequenzer.

Sowohl Pads als auch Potis können via Custom eigene Funktionen beziehungsweise Belegungen zugewiesen werden. Dies geschieht online via Novation Components (https://components.novationmusic.com), oder über die gleichnamige Standalone-Software. Über dieselbe Website lässt sich übrigens die Firmware des FLkey 37 überprüfen und, falls nötig, aktualisieren – einfach und bequem.

Mit Custom kann beispielsweise eine spezifische Belegung von Pads und Drehreglern für ein virtuelles Instrument erstellt werden. Ist man angemeldet, können eigene Setups auch abgespeichert werden.

Novation FLkey 37 Details
Die Kommandozentrale im Detail.

I – V – VI – IV

Gerade für Nicht-Keyboard-Spieler sind Akkordfunktionen eine große Hilfe. Deshalb beleuchte ich in diesem Abschnitt, wie die Funktionen Fixed Chord, Scale Chord und User Chord unterstützen.

Fixed Chord

Mit Fixed Chord kann ein beliebiger Akkord gespeichert und auf dem Keyboard transponiert werden. Um einen Akkord festzulegen, muss der Fixed-Chord-Knopf gedrückt bleiben, während die Noten des zu speichernden Akkords gedrückt und wieder losgelassen werden. Anschließend lässt man Fixed Chord los und kann den gespeicherten Akkord auf dem Keyboard in verschiedenen Tonhöhen abspielen.

Scale Chord

Die Scale-Chord-Funktion erlaubt das Spielen verschiedener Akkorde via Pads. Die Tonskala entspricht der mittels Scale-Knopf eingestellten. Die obere und untere Reihe der Pads wird mit verschiedenen Akkorden bestückt. Welche das sind, zeigt das Display an. Mit den Page-Knöpfen kann zwischen verschiedenen Akkorden gewechselt werden. Gespielt werden können Triaden, 7th, 9th und 9/6ths.

Die Oktave der Akkorde kann via Shift- und Page-Knöpfen angepasst werden.

User Chord

Das Novation FLkey 37 kann nutzerspezifische Akkorde auf dem internen Speicher ablegen. Einem Pad kann ein Akkord mit bis zu sechs Noten zugewiesen werden. Die Vorgehensweise ist wie bei Fixed Chord, nur dass anstatt „Shift“ das zu belegende Pad gedrückt sein muss. Dank des Speichers bleiben die User Chords auch beim nächsten Gerätestart erhalten.

Novation Components
Über Novations Components kann das FLkey 37 aktualisiert und die Custom-Modi bearbeitet werden.

Novation FLkey 37 Test: Praxis

Die Einrichtung des FLkey 37 ist einfach gehalten. Nach dem Anstecken via USB an einen Computer wird das Controller-Keyboard als Datenträger (Mass Storage Device) erkannt. Dieser enthält zwei Verknüpfungen, die auf die Einrichtungsseite von Novation führen. Diese Funktion lässt sich übrigens auch deaktivieren.

Auf der Einrichtungsseite angekommen, wird man anhand zweier Youtube-Videos durch die Einrichtung und Hauptfunktionen geleitet. Das Ganze dauert nur etwa 15 Minuten – inklusive Erklärung der Features. Novation stellt darüber hinaus weitere Videos zu verschiedenen Funktionen zur Verfügung, die bei Bedarf angesehen werden können. Ich finde es super, dass man nicht gezwungen wird, für die Tutorials ein Konto bei Novation beziehungsweise Focusrite zu erstellen. Man kann also ohne Umwege loslegen. Für die Produktregistrierung und die damit verbundene beiliegende Software wird selbstverständlich ein Konto benötigt.

Novation FLkey 37 Pad-Mode: Sequencer
Im Sequencer-Modus stellt jedes Pad einen Step dar.

Channelrack, Sequencer & Co.

Als bewanderter FL-Studio-Nutzer findet man sich schnell auf dem FLkey 37 zurecht. Doch auch Einsteiger sollten keine Schwierigkeiten haben, Funktionen zuzuordnen. Mit den Pads können im Channelrack liegende Samples und virtuelle Instrumente abgefeuert werden. Eine Farbkodierung der Rack-Inhalte hilft nicht nur der Übersicht in der DAW, sondern wird auch automatisch von den Pads übernommen. Färbt man beispielsweise die Kickdrum rot ein, leuchtet das entsprechende Pad am MIDI-Controller ebenfalls rot. Drumpatterns können schnell eingespielt und via Transport-Tasten genauso schnell aufgenommen werden.

Eine Beleuchtung der Transport-Tasten hätte ich begrüßt, damit man diese auch in dunkleren Umgebungen schnell findet.

Alternativ zur Aufnahme lassen sich Elemente im Sequencer-Modus im FL-Studio-Sequenzer setzen. Das geht allerdings immer nur für ein Sample oder Instrument, da die 16 Pads jeweils einen Step darstellen.

Wenn mehr als 16 Sounds im Channelrack liegen, springt man zu den übrigen mit den Channelrack-Up- und Down-Tasten. Die aktive Sektion wird dann in FL Studio kurz rot eingerahmt – das gilt übrigens für alle derartigen Funktionen. Somit weiß man immer, was gerade gesteuert wird.

Lautstärke und Panning von Channelrack-Kanälen können ebenso schnell und einfach über die Potis gesteuert werden. Dafür muss nur einmal der entsprechende Modus via Shift und Channel Volume beziehungsweise Channel Pan definiert werden.

Beat it!

Im Novation FLkey 37 Test habe ich einen simplen Beat via Sequencer-Modus eingetippt. Super ist, dass man direkt im Channelrack Note Pitch, Velocity, Release Velocity, Fine Pitch, Panning, Mod X, Mod Y und Shift über die Potis steuern kann. Die acht Drehregler werden den Funktionen genau in dieser Reihenfolge von links nach rechts automatisch zugewiesen.

Novation FLkey 37 Pad-Mode: Instrument
Im Instrument-Modus lassen sich die Pads wie Keyboard-Tasten spielen.

Keyboard & Akkorde

Die Tasten des Keyboards lassen sich angenehm spielen. Ein gewisser Wiederstand sorgt dafür, dass die Anschlagsstärke beim Einspielen kontrolliert werden kann. In Anbetracht der Preisklasse des Novation FLkey 37 kann man nicht mehr erwarten – und nicht meckern.

Die Akkordhilfen können schnell und einfach aktiviert und eingerichtet werden. Auch die Custom-Akkorde lassen sich schnell basteln und einspielen. Dank des intuitiven Layouts des MIDI-Controller-Keyboards kann auch zügig zwischen den verschiedenen Modi gewechselt werden.

Plug-in-Steuerung

Da das Novation FLkey 37 auf FL Studio abgestimmt ist, lassen sich einige Stock-Plug-ins über das MIDI-Controller-Keyboard steuern. Im Test habe ich das mit FPC (virtuelle Drumpads), Sytrus (Synthesizer) und 3 OSC (Synthesizer) ausprobiert. Alle drei Plug-ins ließen sich wunderbar steuern, ohne dass ein manuelles Mapping nötig war.

Leider können Effekt-Plug-ins wie der Fruity Parametric EQ 2 nicht mit dem FLkey 37 gesteuert werden. Auch der 3-Band-Kanal-Equalizer im Mixer lässt sich nicht verbinden. Das ist wirklich Schade. Ein paar rudimentäre Mixing-Tools an der Hand zu haben, wäre super gewesen.

Ebenso werden Plug-ins von Drittherstellern nicht automatisch gemappt. Das war natürlich auch nicht zu erwarten, wäre aber ein feines Sahnehäubchen gewesen. Allerdings gibt es Möglichkeiten, verschiedene Mappings für Plug-ins einzurichten. Und zwar mit dem …

Custom-Modus

Im Custom-Modus können Pads und Potis beliebigen Funktionen zugewiesen werden. Dies macht man über Novation Components. Lobenswert ist wieder, dass auch dafür keine Anmeldung nötig ist. Allerdings können Konfigurationen ohne Anmeldung auch nicht abgespeichert werden.

Leider konnte ich keine Anleitung finden, wie man eine Nutzerzuweisung der Potis für ein Drittanbieter-Plug-in, in meinem Fall Xfer Records Serum, einstellt und abspeichert.

Novation FLkey 37 side
Im Novation FLkey 37 Test hat das MIDI-Controller-Keyboard beeindruckt.

Novation FLkey 37 Test: Fazit

Für knapp 230 Euro bietet Novation mit dem FLkey 37 ein MIDI-Controller-Keyboard an, das als Instrument und DAW-Controller dient. Die Qualität von Tasten, Drehreglern und Pads ist hochwertig und die Haptik angenehm. Dank des intuitiven Layouts fand ich mich beim Novation FLkey 37 Test schnell zurecht.

Die Abstimmung auf FL Studio ist dem Hersteller hervorragend gelungen. Alle wichtigen Funktionen hat man an der Hand, sodass man zumindest beim Produzieren kaum noch auf Maus und Tastatur zurückgreifen muss. Alles in allem bekommt man in dem relativ kompakten MIDI-Controller-Keyboard eine beeindruckende Menge an Funktionen an die Hand.

Etwas schade ist, dass Novation nicht zumindest Mappings für einige bekannte Drittanbieter-Plug-ins im Custom-Modus hinterlegt. Und natürlich auch, dass Stock-Effekt-Plug-ins nicht angesteuert werden können.

Nichtsdestrotrotz hat das Gerät im Novation FLkey 37 Test einen sehr guten Eindruck gemacht. Sogar so gut, dass ich das MIDI-Controller-Keyboard nun mein Eigen nennen darf!

Sicherlich wird der ein oder andere bemängeln, dass beispielsweise die Klaviatur nicht gewichtet ist. Oder das zusätzliche Fader für die Mixer-Kanäle schön gewesen wären (Platz dafür wäre vielleicht sogar über der Transport-Sektion), wie das beim Novation Launchkey 88 mk3 der Fall ist – das aber auch gut 200 Euro mehr kostet.
In Anbetracht des Preises kann man absolut nicht meckern. Novation hat wirklich abgeliefert!

Außerdem hat der Hersteller eine meiner Meinung nach längst überfällige Lücke gefüllt, denn dedizierte FL-Studio-MIDI-Controller gibt es, bis auf den Akai Professional Fire, meines Wissens nach keine.

Verfügbar ab: sofort
Preis (UVP): (FLkey 37) 229,99 Euro, (FLkey Mini) 109,99  Euro
Weitere Infos: Novation

Pros:

  • Funktionsumfang
  • Einfache Einrichtung
  • Instrument und DAW-Controller in einem Gerät
  • Akkord-, Plug-in- und Custom-Modi
  • Abgestimmt auf FL Studio
  • Haptik
  • Interner Speicher für nutzerspezifische Akkorde

Cons:

  • Stock-Plug-ins (Effekte) können nicht über den Plugin-Modus gesteuert werden
  • Transport-Tasten nicht beleuchtet

Fotos: Hersteller, Eigene