Mixing Night Audio Cascade Test: Dynamische Delays
Mit Cascade versprechen Mixing Night Audio frischen Wind in langweilige Echos zu bringen. Dafür bietet das Plug-in verschiedene klangliche Modi, zeitabhängige Effekte und das numerische Definieren der Wiederholungen. Gamechanger oder Enttäuschung? Das verrät dir der Test.
Mixing Night Audio präsentieren mit Cascade ihr drittes Plug-in, das gut zwei Jahre nach der Veröffentlichung von LolComp folgt. Es handelt sich dabei um ein Delay, was durchaus überrascht, denn der Entwickler präsentierte als Debüt damals GreenHaas – ein vergleichsweise simples Echo, das mit einer zuschaltbaren Sättigungsstufe kam. Ich durfte GreenHaas damals zu meinen Redakteurszeiten in der Redaktion von KEYS, Recording Magazin und Tastenwelt testen und nutze es auch heute noch ab und an gerne. Aber genug der Nostalgie.
Cascade ist ein modernes Delay, das sich unter anderem durch ungewöhnliche Funktionen wie verschiedenen Styles, dem numerischen Definieren der Anzahl an Wiederholungen sowie dynamischen Effekten von der Konkurrenz abheben will. Ob das gelingt und der Preis von 99 US-Dollar gerechtfertigt ist, finden wir nun im Test gemeinsam raus.

Mixing Night Audio Cascade Test: Überblick
Das Tool präsentiert sich in einer modernen und gut strukturierten Nutzeroberfläche. Das ist tatsächlich interessant, denn ursprünglich waren die Oberflächen verspielt designt. Bei GreenHaas zum Beispiel in Anlehnung an ein Gewächshaus (GreenHaas = Greenhouse). Bei LolComp wurden fröhlich Emojis implementiert. Ich schätze, die Mehrheit der Nutzenden wollte aber doch lieber eine vergleichsweise technische Optik, denn aus LolComp wurde irgendwann AllComp – gleiches Produkt, anderes Design.
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Cascade gibt es nun nur noch in einer „seriösen“ Aufmachung. Einerseits schade. Ich fand es cool, dass sich Mixing Night Audio etwas getraut haben. Andererseits handelt es sich eben immer noch um ein Werkzeug, das in erster Linie funktional sein muss. Und auch ich muss gestehen, dass ich AllComp aufgrund dessen LolComp vorziehe.
Die Funktionen von Cascade
Als vollwertiges Echo kann Cascade als reguläres, Ping-Pong- oder Slap-Delay genutzt werden und bietet dafür dedizierte Modi inklusive Normal/Wide-Schalter. Die grundlegenden Einstellungsmöglichkeiten für Delay, Feedback und Mix werden von einer Style-Sektion ergänzt. Hier stehen zehn verschiedene Stile zur Auswahl, die verschiedene Frequenzgänge mit sich bringen und so das Signal formen. Als Beispiel: Mid Boost bewirkt eine starke Anhebung in den oberen Mitten. Shimmer hat einen Boost in den Höhen. Low- und High-Cut-Filter erlaubt das Eingrenzen des Frequenzspektrums.
Kurz & knapp
➡ Mixing Night Audio Cascade ist ein Delay mit verschiedenen Modi, Styles, integrierter Effektsektion mit LFO sowie einer numerischen Einstellungsmöglichkeit für die Anzahl der Echos.
➡ Für Producer, Mixing & Mastering Engineers
➡ Fazit: Mixing Night Audio ist die Mischung von Delay und Sounddesign in Cascade gut gelungen. Das Tool ist flexibel, einfach handzuhaben und bietet genügend Möglichkeiten, den Klang durch Styles und Effekte zu sorgen. Die Möglichkeit, die exakte Zahl der Wiederholungen definieren zu können, macht Cascade zu einem einzigartigen Plug-in.
Für die weitere Bearbeitung des Klangs sind ein Chorus, Saturator (Heat), Stereo Widener und Reverb (Wash) mit drei verschiedenen Räumen vorhanden. In der Advanced-Sektion gibt es neben einem Ducker dann auch die ersten ungewöhnlichen Parameter zu entdecken – und zwar in Form eines einstellbaren Swing sowie einem Formant-Shifter. Hinzu kommt ein LFO mit vier Wellenformen und anpassbarer Rate und Intensity, der die Lautstärke und Cut-Filter modulieren kann. Aber es wird noch besser…
Cascade Modus
Das eigentliche Highlight von Cascade ist der gleichnamige Modus. Dieser erlaubt das exakte numerische Definieren der Anzahl an Wiederholungen. Statt 20 Prozent Feedback lässt sich also alternativ festlegen, dass man exakt drei Echos haben möchte.
Im Cascade Modus erweitert sich auch die Effektsektion. Hier gibt es nun zusätzliche Drehregler für Lautstärke und Filter (Low-/High-Cut). Unterhalb dieser befinden sich Slider. Anhand dieser kann eine Range festgelegt werden, die dann automatisiert im Verlauf des Echos abläuft. Man kann also beispielsweise die Range des Chorus auf +50 Prozent setzen. Ausgehend vom eingestellten festen Wert wird dann in Abhängigkeit der Anzahl der Wiederholungen der Effektanteil erhöht. Der Verlauf dieser Fahrt kann über den Slope-Regler beeinflusst werden.

Mixing Night Audio Cascade Test: Praxis
Als Grundlage für den Test von Cascade dienten mir verschiedene Instrumenten- und Vocal-Spuren, darunter Drums, Gitarren und Keys. Beim Durchhören der Presets wurde schnell die klangliche Vielseitigkeit des Plug-ins klar. Sowohl klassische Raum- und Doppler-Effekte als auch kreative und radikale Transformationen sind möglich.
Was mir auf Anhieb sehr gut gefallen hat, war die Styles-Sektion. Vereinfacht gesagt ist das ein Preamp für Delays, der durch die verschiedenen Frequenzgänge der hinterlegten Profile unterschiedliche Klangfarben mit sich bringt. Im Zusammenspiel mit den anderen Effekten lässt sich ein breites Spektrum an Echos gestalten, das von subtiler Räumlichkeit bis hin zu Telefon- und Unterwasser-Effekten reicht – daher kann ich mir Cascade auch gut als Tool für Postproduktion vorstellen.
Features
- 3 Delay-Modi
- 10 Styles
- 5 integrierte Effekte
- Einstellbare Effekt-Range und Verlaufskurve
- Ducker
- Swing
- Formant-Shifter
- LFO mit vier Wellenformen, moduliert Volume, Low- und High-Cut-Filter
- Zufallsgenerator
- Für Windows & Mac-OS; VST 3, AU, AAX
Die Kreativmöglichkeiten wurden von Mixing Night Audio sinnvoll um den Formant-Shifter und LFO ergänzt. Dadurch sind dann beispielsweise auch die typischen abgehakten Roboter-Effekte möglich. Neben den erwähnten radikalen Transformationen eignen sich diese Tools aber auch, um Texturen und Akzente zu setzen, die in Kombination mit einem langen Reverb zu Klanglandschaften heranwachsen können.
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Und natürlich ist auch die numerische Einstellung der Wiederholungen eine coole Sache. In exakt dieser Form habe ich das bei noch keinem anderen Delay gesehen. Bisher kenne ich diese Art der Kontrolle nur in Form von Step-Sequenzern, beispielsweise bei Ripple von Process Audio.
Der Cascade-Modus ist übrigens etwas leistungshungriger als der reguläre, im Test fiel dies aber nicht negativ ins Gewicht.

Sounddesign mit Potenzial
Das Gestalten von Variationen vereinfacht Cascade durch das interne Automationssystem, das der Cascade-Modus in Form der Range-Slider zugänglich macht. Im Allgemeinen eine tolle Funktion, die zum Experimentieren einlädt. Auch, dass die Entwickler daran gedacht haben, verschiedene Formen der Verlaufskurven zur Verfügung zu stellen, ist lobenswert. Dadurch lassen sich zum Beispiel in Kombination mit dem Ducker gezielt Effekt-Swells kreieren.
Nun stellt sich natürlich ein bisschen die Frage: Was will Cascade sein? Es bietet zwar ein paar erweiterte Sounddesign-Möglichkeiten, die untypisch für Delays sind, ist aber dennoch kein dedizierter Kreativeffekt. Meinem Eindruck nach ist Mixing Night Audio die Mischung gut gelungen. Delays lassen sich schnell und einfach bauen. Eine gewisse Würze lässt sich ebenso schnell hinzufügen, ohne dass man tief in komplexe Systeme eintauchen muss. Nichtsdestotrotz hätte ich mir aber gewünscht, dass sich der LFO jedem Effekt individuell zuweisen lässt – einfach via drag&drop und einstellbarer Intensität. Dann hätte man zur standardmäßigen Fahrt der Ranges noch etwas mehr Spielraum und Kontrolle.
Das Ganze ließe sich noch unendlich weiter spinnen. Ich fände es beispielsweise sehr interessant, wenn man gezielt die einzelnen Wiederholungen separat manipulieren könnte – dann bewegen wir uns aber schon wirklich in den Tiefen von Sounddesign. Und fairerweise sei an dieser Stelle gesagt, dass das nicht die Ausrichtung von Cascade ist.

Mixing Night Audio Cascade Test: Fazit
Mit Cascade stellen Mixing Night Audio ihr drittes Plug-in vor. Das moderne Delay konnte im Test durch eine übersichtliche Nutzeroberfläche, einfache Handhabung und ungewöhnlichen Funktionen überzeugen. Die Funktionsvielfalt ist sorgfältig abgestimmt. Die Echos lassen sich schnell in Klangfarbe und Verhalten anpassen, ohne dass ein tiefgehendes und zeitintensives Sounddesign notwendig ist.
Der Cascade-Modus stellt mit der numerischen Einstellung der Anzahl an Wiederholungen sowie den Range-Slidern für die Effekte tolle Kreativmöglichkeiten zur Verfügung, die von der Style-Sektion und dem LFO abgerundet werden. Für letzteren wären dennoch ein paar Modulationsmöglichkeiten mehr wünschenswert. Davon abgesehen ist Cascade ein sehr gelungenes Plug-in, das für etwa 100 Euro zu einem fairen Preis angeboten wird.
Verfügbar ab: sofort
Preis (UVP): 99 USD
Weitere Infos: Mixing Night Audio
Pros
- 3 Delay-Modi: Echo, Ping-Pong, Slap
- Verschiedene Styles
- Cascade-Modus mit numerischer Einstellung der Wiederholungen und Range-Slider für Effekte
- LFO
Cons
- LFO moduliert nur Volume und Filter
Fotos: Hersteller, Screenshots
