Montag, 3. August 2026
SoundChills - Das Onlinemagazin für Producing, Mixing & Mastering

Lese Fletcher Test: Kompakter Klangtransformator

von SoundChills
0 Kommentare
Lese Fletcher Test Aufmacherbild

Die Welt teilhaben lassen mit:

Das neue Plug-in Fletcher von Lese ist ein experimentelles Hallgerät, bei dem tonhöhenbezogene Attack- und Decay-Zeiten einstellbar sind. Dadurch lassen sich einzigartige Texturen und Charakteristiken erzeugen – so zumindest das Versprechen. Wie gut das funktioniert und ob sich der Kauf lohnt, verraten wir dir im Test. Von Jonas Dorn

Fletcher ist die neuste Veröffentlichung der Firma Lese Audio Technologies. Das Unternehmen profilierte sich bisher dadurch, dass es   herkömmliche Processing-Methoden durch innovative und außergewöhnliche Features erweitert und mit modernen Benutzeroberflächen veredelt. Mit Fletcher nimmt sich Lese zum wiederholten Mal Hall zur Grundlage – verfolgt hier allerdings einen völlig anderen Ansatz, als das bei Hikari der Fall war. Spezielles Verhalten der An- und Ausschwingphasen sowie die Formbarkeit der Halltextur definieren das neue Plug-in.

Was es damit auf sich hat und wie sich Sounds damit biegen und formen lassen, haben wir uns im Lese Fletcher Test angehört. Und mit etwas Glück kannst auch du dir bald einen Eindruck des Plug-ins- verschaffen, denn der Hersteller hat eine Lizenz zur Verlosung bereitgestellt! Alle Infos zum Gewinnspiel folgen.

Lese Fletcher Test fall
Fletcher ist ein experimentelles Tool, um Sounds mit einem kontrastreichen Decay anzureichern.

Lese Fletcher Test: Übersicht

Fletcher präsentiert sich in einer modernen und übersichtlichen One-Page-Nutzeroberfläche im typischen Design des Herstellers. Das Plug-in setzt sich aus vier in Reihe geschalteten Modulen zusammen:

  • Hüllkurve: Im Kernmodul kann man mit den Parametern Attack, Decay und Hold Einfluss auf die Hüllkurve des Signals nehmen. Mit dem Regler Contrast können Peaks im Signal hervorgehoben oder abgesenkt werden. Die Attack- und Decay-Zeiten lassen sich mit Hilfe eines Filters frequenzbezogen justieren. Dabei bezieht sich die X-Achse auf die Tonhöhe. Die Y-Achse wirkt sich auf die Länge der Attack- und Decay-Zeiten aus. Für die Frequenzbearbeitung stehen jeweils drei Bänder zur Verfügung. Vor allem der Parameter Q erweist sich nützlich für Drones und tonale Klangflächen. Mit diesem Filter ist es beispielsweise möglich, hohe Signalanteile länger ausklingen zu lassen als tiefe.
    Außerdem ist in diesem Modul ein Echtzeit-Analyzer integriert.
  • Shimmer: Ein Shimmer Reverb, der Obertöne eine Oktave über dem eingespeisten Signal generiert. Die Parameter Shimmer und Bright steuern Intensität und Helligkeit. Optional können Obertöne via MIDI-Triggering generiert werden.
  • Noise Wash: Wie der Name andeutet, verwäscht dieses Modul das Signal. Vor allem transientenreiche Sounds wirken weniger direkt.
  • Mix: klassischer Dry / Wet Regler

Kurz & knapp

Lese Fletcher ist ein Mix aus Hall-Plug-in und Modulationseffekt.
➡ Für Producer & Sounddesigner
Fazit: Fletcher ist ein schlankes Tool, das trotz weniger Parameter vielfältige Texturen und Klangcharakteristiken erzeugen kann.

Lese Fletcher Test: Praxis

Um einen Eindruck von Fletcher zu erhalten, habe ich als Basis verschiedene Loops von unter anderem Drums, Keys und Synthies auf separaten Spuren angelegt und Fletcher insertiert. Zu Beginn fing ich an, mit den Reglern Attack, Decay und Mix zu experimentieren. Schnell fiel dabei auf, dass vor allem der Attack-Regler eine Menge Flexibilität bietet. Steht er auf dem Minimum von 25 ms, behalten Signale Klarheit und Präzision; sobald man ihn aufdreht, entstehen runde und flächige Klangwolken.

Bei perkussiven Signalen führten längere Attack-Zeit, kurze Decays und ein dezenter Mix zu weichen Ambiences. Bei ähnlichen Einstellungen auf flächigen Samples bot sich das Shimmer-Modul an, um hintergründig eine neue Dimension zuzufügen – funktioniert hat dies am besten auf mitten- oder höhen-lastigen Samples.

Lese Fletcher Test Sidechain Modulation

Wie zu erwarten war, bewies sich Fletcher auf Bässen nur bedingt. Bei liegenden Tönen entstanden Drones, die sich mit Hold, Shimmer und Noise Wash aufbauen und modulieren ließen. Stellt man aber bei Drum-Grooves die Attack- und Decay-Zeiten auf das Minimum, lassen sich mit Hold, Shimmer und Noise Wash spannende Effekte erzielen, die an gated Reverb erinnern.

Um Fletcher aber auch im „realen“ Kontext zu testen, habe ich es für einer meiner aktuellen Produktionen genutzt. Alle bisherigen Erkenntnisse aus den Klangexperimenten bestätigten sich. Das Plug-in ist nicht nur Spielerei, sondern lässt sich sinnvoll und gewinnbringend einsetzen: Mit wenigen Handgriffen lieferte Fletcher Sounds, die ungewöhnlich und abwechslungsreich sind und auch eine ideale Basis zur Bearbeitung mit weiteren Prozessoren bieten.

Gewinnspiel: 1x Lese Fletcher

Neugierig geworden? Dann hast du jetzt die Chance, dir selbst einen Eindruck von Lese Fletcher zu machen. Wir verlosen eine Lizenz für das außergewöhnliche Sounddesign-Plug-in.

Alle Infos zur Teilnahme findest du auf der Gewinnspielseite. Viel Glück!

Während des Tests fiel mir aber auf, dass ich immer wieder gedankenverloren manuelle Automationen geschrieben habe, um Impulse zu setzen oder Rhythmen zu erzeugen – hauptsächlich für die Regler für Shimmer, Bright, Wash und Blur. Dementsprechend würde ich mir noch einen simplen internen LFO wünschen, der diesen Prozess mit ein paar standardmäßigen Wellenformen und einem Frequenzregler vereinfacht.

Audiobeispiele

0:00 0:00

    Lese Fletcher Test: Fazit

    Lese Fletcher ist ein experimentelles Sounddesign-Tool, das im Test als solches auch überzeugen konnte. Auf Basis eines Reverbs lassen sich Signale kreativ bearbeiten, anreichern und verwaschen, ohne den ursprünglichen Klangcharakter komplett zu deformieren. Dementsprechend ist es auch als kreative Anwendungen einzuordnen, nicht aber als Brot-und-Butter-Tool für den Mixing-Alltag.

    Transientenreiches Quellmaterial wie ein Schlagzeug scheint das Plug-in zunächst einzuschränken, doch können gerade in solchen Fällen spannende rhythmische Layer geschaffen, oder Instrumente gänzlich neu gedacht werden. Auch auf flächigen oder rhythmischen Sounds wie Synthies oder Keys kann Fletcher durchaus für spannende Klangresultate sorgen, die ich auch in einer aktuellen Produktion gewinnbringend einsetzen konnte. Lediglich der Wunsch nach einem rudimentären LFO blieb offen, um schnell kontrollierte Akzente setzen oder Rhythmen erzeugen zu können.

    Lese Fletcher Test rise

    Der Preis von 45 Euro ist angemessen. Fletcher ist ein tolles Plug-in, um gewohnte Workflows aufzufrischen und konnte im Test halten, was es verspricht.

    Verfügbar ab: sofort
    Preis (UVP): 45 Euro
    Weitere Infos: Lese | Fletcher @ Plugin Boutique*

    Jonas Dorn

    Jonas Dorn ist Komponist und Musikproduzent aus München. Er hat ein Studium zu Schulmusik mit Schwerpunkt Chorleitung an der Hochschule für Musik und Theater München absolviert und studiert aktuell Komposition für Film und Medien bei Gerd Baumann. Jonas schreibt regelmäßig Auftragswerke für Künstler und Ensembles und nahm dafür unter anderem mit dem Budapest Scoring Orchestra auf. Abgesehen von konzertanter Aufführung wurden seine Kompositionen über 7 Millionen Mal gestreamt.

    Folge Jonas auf Instagram

    * Die mit einem Stern (*) gekennzeichneten Links sind Werbelinks (affiliate). Wenn Du etwas darüber kaufst, bekomme ich eine kleine Provision, die zum Erhalt von SoundChills beiträgt. Für dich entstehen KEINE Mehr- oder Zusatzkosten.

    Fotos: Jonas Dorn, Hersteller

    Die Welt teilhaben lassen mit:

    Ähnliche Beiträge